Jonathan Littell

Eine alte Geschichte. Neue Version

Roman
Cover: Eine alte Geschichte. Neue Version
Hanser Berlin, Berlin 2019
ISBN 9783446260412
Gebunden, 334 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Hainer Kober. Ein Mann kommt nach Hause, badet seinen kleinen Sohn, liebt seine Frau und verlässt dann das Idyll. Er läuft durch einen Gang, bis er eine Türklinke sieht und den Raum dahinter betritt. Als Getriebener, in wechselnden Identitäten, mal Mann, mal Frau, hetzt er durch ein Labyrinth immer neuer Szenerien. Jede Tür führt in neue Abgründe, geprägt von Sex, Macht und Gewalt, aus denen sich der Erzähler jeweils durch einen Sprung in klares Wasser rettet, bis aus dem Herumirren eine Suche wird - doch nach was? Jonathan Littell hat sein Buch " Eine alte Geschichte" neu- und fortgeschrieben. Er erspart seinen Lesern nichts. Doch genau darum geht es Littell: Er gestattet uns nicht zu vergessen, dass nichts ungeheurer ist als der Mensch.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.05.2019

Arno Widmann schnurrt wie gewohnt eine herrlich subjektive Rezension zusammen zu Jonathan Littells neuem Roman. Ein bisschen gruselt es ihm schon bei Littells aus Opferperspektive verfassten Sex-, Mord- und Fäkalszenen, ein bisschen. Die Genauigkeit der Beschreibungen verleitet ihn aber auch zu Jubelseufzern. Dass es sich bei dem Roman um ein Märchen handelt, für Widmann erkennbar an den vielen Wiederholungen, ist also eigentlich schade - oder nicht? In die mannigfachen erfundenen Wirklichkeiten des Erzählers taucht der Rezensent durchaus gerne ein, ahnend, dass sie genauso gut echt sein könnten.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 11.05.2019

Rezensent Tilman Krause hält Jonathan Littells neues Buch für die Fortsetzung der "Ästhetisierung von Sperma, Blut und Schweiß", die der Autor bereits in "Die Wohlgesinnten" begonnen hatte. Während dort aber die detailgetreue Schilderung des Nationalsozialismus im Vordergrund stand, hat sich Littell hier laut Krause ganz dem Symbolischen gewidmet. In sieben Abschnitten folgt er sieben Hauptfiguren von ihrem Auftauchen aus einem Schwimmbecken in die immer selben Räumlichkeiten, wo sie allerdings sehr unterschiedliche sexuelle Erfahrungen machen. Hierarchische gewaltvolle Begegnungen kommen hier genauso vor wie gleichberechtigte freudvolle, alle aber werden detailliert und sehr künstlerisch beschrieben, erzählt der Rezensent, den Littell damit an einen ästhetischeren Marquis de Sade erinnert. Krause versteht diese Abfolgen als Vergegenwärtigung des Kreislaufs des Lebens, in dem Leid und Freude sich abwechseln.