John Rawls

Über Sünde, Glaube und Religion

Cover: Über Sünde, Glaube und Religion
Suhrkamp Verlag, Berlin 2010
ISBN 9783518585450
Gebunden, 344 Seiten, 26,80 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Sebastian Schwark. Mit einem Nachwort von Jürgen Habermas und Kommentaren von Thomas Nagel, Joshua Cohen und Robert M. Adams. John Rawls hat sich in keinem seiner publizierten Werke systematisch mit Fragen der Religion auseinandergesetzt und auch darüber, wie er es persönlich mit dem Glauben hält, stets Diskretion bewahrt. Wenig überraschend also, dass der Autor der Theorie der Gerechtigkeit zeitlebens als "religiös unmusikalisch" galt. Nach Rawls' Tod wurden jedoch zwei Texte entdeckt, die zu einer gründlichen Revision dieses Bildes zwingen: seine "Senior Thesis", 1942 eingereicht an der Philosophischen Fakultät der Universität Princeton, sowie ein kurzer, sehr persönlicher Text aus den neunziger Jahren.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.01.2011

Misstraut den Kommentaren!, ruft Otto Kallscheuer. Aus dem Nachlass herausgegebene Jugendschriften, meint der Rezensent, werden oft in eine Vielzahl akademischer Kommentare verpackt und zu einer bloßen Vorstufe dessen degradiert, was der Meister eigentlich zu sagen hatte. Umso mehr, wenn es um die religiöse Jugendschrift des linksliberalen Standartenträgers John Rawls geht. Kallscheuer will die Schrift für sich sprechen lassen: In ihr entwickelt Rawls eine Ethik der Gemeinschaft, die zwar im Großen und Ganzen auf dieselben moralischen Prinzipien hinausläuft wie seine solidarische Sozialethik, aber anders und viel "heißer" begründet ist. Denn für den Jungen Rawls sind Menschen nicht nur Individuen und nutzenmaximierende Einzelne, sondern Teile einer Gemeinschaft. Dass Rawls die Entfremdung von Person und Gemeinschaft Sünde nennt, überrascht sogar Kallscheuer. Aber er nimmt es bereichert zur Kenntnis.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.10.2010

Verhalten äußert sich Uwe Justus Wenzel über diesen Band, der zwei postum erschienene Texte von John Rawls über "Sünde, Glaube und Religion" nebst Kommentaren von Thomas Nagel, Joshua Cohen und Robert Merrihew Adams sowie ein Nachwort von Jürgen Habermas bietet. Er hebt hervor, dass beide Texte - Rawls 1942 vorgelegte Abschlussarbeit über die "Bedeutung von Sünde und Glaube" und die Selbstbesinnung "On my Religion", die nach dem Tod des Philosophen auf seinem Computer gefunden wurde - nicht zur Veröffentlichung gedacht waren. Ob die Texte wirklich für die Öffentlichkeit von Relevanz sind, scheint ihm nicht so sicher. Während sich Rawls in seiner "Senior Thesis" noch ganz vom christlichen Glauben durchdrungen zeigt, berichtet Wenzel, erläutert er in "On my Religion" seine Gründe, vom christlichen Glauben abzulassen.