Aus dem Englischen von Helmut Reuter. Seit es Menschen gibt, glauben sie. Immer schon sucht der Mensch nach den unsichtbaren Kräften, die sein Schicksal lenken. Jesse Bering geht in seinem Buch der Frage nach, warum die Menschen glauben: an ein vorherbestimmtes Leben, göttliche Botschaften in Naturkatastrophen oder ein Leben nach dem Tod. Nach Jahren der intensiven Forschung und anhand zahlreicher Experimente kann Bering seine These inzwischen beweisen: Der menschliche Instinkt, an einen Gott oder andere übermenschliche Mächte zu glauben, verschaffte den Menschen in der Frühzeit einen überlebenswichtigen Vorteil. An diesem Punkt hat die Evolution ihr Ziel erreicht. Hat die Religion ihre Schuldigkeit damit getan?
Leicht durchwachsen findet Rezensentin Katharina Granzin dieses Buch des Evolutionspsychologen Jesse Bering. Dessen Versuch, die menschliche Vorstellung des Göttlichen als ein Nebenprodukt der Evolution und im Wesentlichen über die Fähigkeit zur Mentalisierung, die den Menschen instinktiv nach übernatürlichen Erklärungen suchen lasse, zu erklären, scheint ihr einerseits nachvollziehbar und plausibel, andererseits aber auch ein wenig "unbefriedigend". Dass sich weder die Existenz noch die Nichtexistenz Gottes im strengen Sinn beweisen lässt, ist Bering nach Auskunft von Granzin natürlich klar. Dennoch fällt es dem Autor angesichts des im angloamerikanischen Raum heftig ausgetragenen Streits zwischen Kreationisten und Evolutionisten in Granzins Augen letztlich schwer, sachlich zu bleiben. Zwar attestiert sie Bering, insgesamt packend zu argumentieren. Aber sie konstatiert zum Ende des Buches hin mehr und mehr Polemik seitens des Autors. Mitunter hat sie dabei das Gefühl, dabei zu stehen und zuzusehen zu müssen, wie zwei sich streiten. Und das findet sie schon ein wenig nervig.
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