Dieses Buch untersucht anhand von ethnografischen Fallstudien die Einheit und Vielfalt von Arbeit und bezieht nicht nur Arbeit in unserer eigenen Gesellschaft mit ein, sondern auch Jäger und Sammler, Bauern und Hirten, Familienwirtschaft, Hausarbeit und Kinderarbeit. In der Regel wird Arbeit als instrumentelles Handeln verstanden, während in den meisten Gesellschaften Arbeitsobjekte als eigenständig, eigenwillig oder eigensinnig angesehen werden. Ein solches Verständnis von Arbeit als Interaktion kann auch bei der Analyse unserer Arbeit helfen. Arbeit in der Hauswirtschaft, zu der auch Frauen-, Kinder- und Altenarbeit gehören, ist nicht nur eine historisch wichtige Form, sondern auch heute relevant. Ihre Analyse trägt auch zum Verständnis heutiger Arbeitsformen bei. Arbeit in kapitalistischen Betrieben wird heute von Managern geleitet. Historisch und im Kulturvergleich dominieren andere Formen bei der außerfamiliären Arbeitsorganisation: Meister, die eine besondere Kompetenz bei der Arbeit besitzen, vor allem aber Herren, die zwar vom Ertrag der Arbeit leben, aber sich nicht in den Arbeitsprozess einmischen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.02.2016
In Gerd Spittlers "Anthropologie der Arbeit" erfährt Rezensent Andreas Eckert viel Wissenswertes über die verschiedenen Arbeitspraktiken und -formen in unterschiedlichen Weltgegenden. Der Ethnologe betrachte weniger die Entstehung der Arbeiterklasse oder Arbeit als Produktionsfaktor, sondern analysiere Arbeit als menschliches Handeln, das auf Kompetenz und "Performanz" beruhe, informiert der Kritiker. Mit Blick auf Spittlers umfangreiche und kluge Studie, die auch eigene ethnografische Fallstudien einbezieht, verzeiht Eckert gern den "staubtrockenen" Ton des Buches. Allerdings hätte er gern mehr über die politische Bedeutung von Arbeit erfahren.
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