Dieter Gosewinkel (Hg.), Johannes Masing

Die Verfassungen in Europa 1789-1949

Eine wissenschaftliche Textedition. Unter Einschluss sämtlicher Änderungen und Ergänzungen sowie mit Dokumenten aus der englischen und amerikanischen Verfassungsgeschichte
Cover: Die Verfassungen in Europa 1789-1949
C. H. Beck Verlag, München 2007
ISBN 9783406551697
Gebunden, 2116 Seiten, 268,00 EUR

Klappentext

Die Edition ist die erste Sammlung aller Verfassungen einschließlich sämtlicher Änderungen und Ergänzungen, die in den heute bestehenden Staaten Europas vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zur verfassungsrechtlichen Rekonstruktion nach dem Zweiten Weltkrieg in Kraft gesetzt wurden. Erstmalig werden diese Texte vollständig in deutscher Sprache aufbereitet. Den Verfassungstexten eines jedes Landes geht ein umfangreicher wissenschaftlicher Apparat voraus, der insbesondere auch die Originalfundstellen nachweist. Daneben umfaßt die Edition eine ausführliche Einführung in die Grundlinien der europäischen Verfassungsentwicklung zur Erschließung der Texte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.12.2010

Das ist Enthusiasmus: Arno Widmann hat sich durch diesen 2000-seitigen Trumm gefräst, der die Verfassungen Europas von 1789 bis 1949 versammelt, aber offenbar auch die Magna Charta und die Habeas-Corpus-Akte enthält. Als gänzlich unversierter Laie hat er nach eigenem Bekunden begonnen, aber mit wachsender Begeisterung auch seinen Blick geschult, und ist dabei zu erstaunlichen Erkenntnissen gekommen: Es gab Juristen, die wurden nicht von Paragrafen beherrscht, sondern beherrschten die Paragrafen. Das waren übrigens dieselben, die "auf einer Wiese", also im Freien, die Magna Charta schrieben. Als wichtigste Lehre aber nennt Widmann, dass Verfassungen die kurzlebigsten von allen Gesetzestexte sind. Wie schnell sie weggewischt wird, wenn sie den Machthabern nicht mehr zupass kommt, hat Widmann bei den Verfassungen nach der Französischen Revolution gelernt. Schon 1799 ist kein Wort mehr über die Menschenrechte zu finden! So schnell wird keine Verkehrsregel geändert. Trotzdem hat Widmann einige Kritikpunkte vorzubringen. So findet er die Entscheidung falsch, nur Verfassungen von in den Band aufzunehmen, die heute noch existieren, besonders vermisst hat er die Verfassung Kongresspolens. Aber es fehlt auch auch, das ist sein zweiter Kritikpunkt, fehlt die Verfassung der Sowjetunion, die die Herausgeber mit der vornehmen Begründung eines "grundlegend anderen Legitmitätskonzepts" außen vor ließen. Hier hätte sich laut Widmann gezeigt, dass selbst die mörderischsten Diktatoren auf "die Fassade einer Verfassung" nicht verzichten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.09.2008

Herrlich und monumental erscheint diese von Dieter Gosewinkel und Johannes Masing herausgegebene Sammlung aller europäischen Verfassungen dem Rezensenten. Dass die Herausgeber europäisches Staatsrecht als facettenreiche, auch von dunklen Seiten bestimmte abendländische Kulturleistung zu vermitteln vermögen, macht auf Wolfgang Burgdorf ordentlich Eindruck. Den angestrebten Verfassungsvergleich sieht Burgdorf zwar eingeschränkt durch die Orientierung an den "heute souveränen Staaten" und die Aussparung von Zwergstaaten wie Andorra und Lichtenstein. Auch gibt er zu bedenken, dass die Arbeit mit den Übersetzungen der Verfassungstexte nicht immer das Ideal darstellt (und verweist diesbezüglich auf die Mikrofiche-Sammlung von originalsprachlichen Dokumenten). Seine Begeisterung für das Werk kann das jedoch kaum schmälern. Sogar entsprechenden Online-Angeboten, wie www.verfassungen.de, erklärt er, sei der Band durch seine handwerkliche Verlässlichkeit überlegen. Die erwähnten Mängel schließlich, beteuert der Rezensent, ergäben sich vor allem aus dem begrenzten Umfang eines solchen Unternehmens.
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