Seit mehr als drei Jahrzehnten sieht die Welt einer blutigen Auseinandersetzung zu, die oft als "Troubles" verharmlost wird. Zu wem gehört Nordirland und zu wem zählt es sich selbst? Seit 1966 starben wegen dieses Konflikts über 3.700 Menschen. Der Autor analysiert die Wurzeln und die verwickelte Geschichte von politischem Terror, ethnischer Gewalt und konfessioneller Unversöhnlichkeit. Dabei räumt er hartnäckige Missverständnisse aus. Der Konflikt ist kein "Religionskrieg". Ihm liegt ein Streit über die politische Verfassung Nordirlands zu Grunde. Gehört Nordirland zu Großbritannien oder zur Republik Irland? Trotz Waffenstillstandserklärung der IRA und "Karfreitagsabkommen" ist keine politische Lösung in Sicht. Deshalb ist, so der Autor, neben der Politik die Zivilgesellschaft gefordert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 25.10.2006
Prädikat wertvoll, lobt Rezensent Reinald Lukas fast ohne Einschränkung. So ausführlich sei der Nordirlandkonflikt noch in keiner deutschsprachigen Publikation behandelt worden und auch nicht so neutral, wenn es um Bewertungen gehe. Nur beim ersten der drei Teile der Studie handele Johannes Kandel die historischen Hintergründe etwas knapp ab. Doch habe er bereits eine Geschichte Nordirlands angekündigt, die dieses Manko sicherlich kompensieren werde. Im Fokus der Darstellung, so der Rezensent, lägen einerseits die paramilitärischen Organisationen beider Lager und andererseits die nichtmilitärischen Friedensbemühungen seit den frühen Bürgerrechtsmärschen. Zu einem "Standardwerk", glaubt Lukas, könnte die Studie auch aufgrund der vielen einbezogenen Quellen und eines guten Anhangs avancieren.
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