Johannes Hillje

Mehr Emotionen wagen

Cover: Mehr Emotionen wagen
Piper Verlag, München 2025
ISBN 9783492073820
Gebunden, 256 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Die politischen Emotionen im Land werden derzeit den Populisten und Radikalen überlassen. Die demokratische Mitte hat sich als Gegenentwurf der Sachlichkeit und Rationalität verschrieben, doch es fehlen weiterhin wirksame Strategien gegen den Populismus. Allein mit Fakten ist gegen Fake News nicht anzukommen. Die Emotionsaversion wird zur Gefahr für die Demokratie selbst. Anhand von eigenen Studien zeigt Johannes Hillje, dass Hoffnung, Wut und Angst zu einer neuen demokratischen Emotionskultur gehören.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.05.2025

Allzu viel kommt nicht herum bei Johannes Hilljes Versuch, die Emotionen für eine Politik der demokratischen Mitte zurück zu gewinnen, ärgert sich Rezensent Oliver Jungen. Das Problem, das Hillje beschreibt, ist drängend und bekannt, meint Jungen, die deutsche Politik hat in Abgrenzung zum nationalsozialistischen "Triumph der Gefühle" einen nüchternen Politikstil entwickelt, was in diesem Buch anhand mehrerer Kanzler ausführlich, für Jungens Geschmack zu ausführlich, dargestellt wird. Dass die Politik stattdessen Gefühle mobilisieren muss, lernt Hillje ausgerechnet von Kant, der eben gerade nicht ausschließlich Vernunft gegen Gefühl ausspielen wollte. Die Argumentation greift noch in andere Richtungen aus, so der Kritiker, vor allem wird jedoch der Erfolg der AfD analysiert, der keineswegs nur auf Hassreden basiert, sondern auch positive Emotionen mobilisiert. So weit, so geläufig, meint Jungen, was aber bietet Hillje als Lösung an? Basierend auf Yougov-Datenmaterial argumentiert der Autor, dass Politiker der Mitte auf Emotionen setzen sollen, die vom Grundgesetz gedeckt sind, außerdem gilt es, emotionale Reaktionen auf politische Vorschläge von Anfang an mitzudenken und nicht vor dem Streit unter Demokraten zurück zu schrecken. Das alles wird allerdings eh längst probiert, meint der Jungen abschließend, der findet, dass aus der durchaus korrekten Problembeschreibung bei Hillje insgesamt zu wenig folgt.