Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2026
ISBN
9783627003470 Gebunden, 480 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Jeder in der Schwarzwaldstadt kennt den frechen Max, der sich statt in der elterlichen Apotheke lieber beim alten Pulvermüller rumtreibt. Dass dieser ehrgeizige Junge die Pulvermühle übernehmen und in wenigen Jahren einen international agierenden Konzern aufbauen wird, ahnt da noch keiner. Sein raucharmes Schießpulver revolutioniert die Kriegsführung und macht ihn zu einem der mächtigsten Männer des Kaiserreichs, der Deals mit Bismarck und Krupp einfädelt und sein Pulver bis nach Japan verkauft. Doch nicht allen gefällt, wie Industrialisierung und Nationalismus die Gesellschaft verändern. Die Aufrüstungsspirale entlädt sich im Ersten Weltkrieg, den seine uneheliche Enkelin Rosa als Arbeiterin in der Pulverfabrik erlebt. Einschneidende Erlebnisse machen sie zur Kämpferin gegen den Militarismus …
Rezensentin Julia Hubernagel ist beeindruckt, wie Johann Reißers Roman die Geschichte der deutschen Rüstungsindustrie aufarbeitet. Eine wichtige Figur dieses Buches, das Mitte des 19. Jahrhunderts ansetzt und linear bis zur Beginn der Nazizeit fortschreitet - einen kleinen Exkurs in Richtung Gegenwart gibt es obendrein - ist der Unternehmer Max von Duttenhofer, der im 19. Jahrhundert eine große Waffenfabrik aufzieht. Zugleich führt er eine Betriebskrankenkasse für seine Arbeiter ein, was Hubernagl zeigt, dass die Geschichte immer mehrere, miteinander konkurrierende Narrative enthält. Darüber hinaus zeichnet Reißer nach, wie der Aufstieg der deutschen Industrie von Anfang an mit Waffenproduktion und damit auch mit militärischen Unternehmungen verflochten war. So gelingt es dem Autor etwa, Kontinuitäten aufzuzeigen, die Duttenhofers Waffengeschäfte mit der deutschen Automobilindustrie verbinden. Sehr gegenwärtig ist dieses Buch mit Blick auf aktuelle Debatten um Technik und Aufrüstung, findet die Rezensentin - die sonst oft fern erscheinende Welt der Frühindustrialisierung rückt in Reißers Buch nah an uns heran.
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