Johann Baptist Metz

Memoria passionis

Ein provozierendes Gedächtnis in pluralistischer Gesellschaft
Cover: Memoria passionis
Herder Verlag, Freiburg 2006
ISBN 9783451289415
Gebunden, 288 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Unter Mitarbeit von Johann Reikerstorfer. Der Autor steht für eine Theologie, die Mystik und Politik verbindet. Konsequent beharrt er darauf, dass die Gottesrede entgegen dem postmodernen Unschuldsmythos stets angesichts der Leidensgeschichte der Welt formuliert werden muss. Unermüdlich betont er, dass eine humane Rationalität nicht ohne die Erinnerung an Leid und Unrecht zu haben ist, andernfalls wird sie zur rein technischen Rationalität, an deren Ende wir zu Klonen werden, die sich brav ihrer Menschlichkeit versichern. Entschieden wendet er sich daher wider den Bann kultureller Amnesie und fordert zur memoria passionis auf, um "dem Schrei ein Gedächtnis und der Zeit ein Ziel zu geben". Aus diesem Grund hält er auch die Selbstprivatisierung der Kirche in der pluralistischen Öffentlichkeit für ein Unglück und plädiert in der Europadebatte engagiert gegen ein laizistisches Europa - kurz, die neue Politische Theologie, die mit seinem Namen verbunden ist, entfaltet hier ein kraftvolles Potential und macht das Buch zu einem theologischen Ereignis.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.12.2006

Gewissermaßen zurückgemeldet habe sich Johann Baptist Metz mit diesem "beachtenswerten" Essayband, zeigt sich Rezensent Jan-Heiner Tück erfreut. Wie in seinen früheren Büchern gehe es auch hier wesentlich um christliche Theologie vor dem Hintergrund des menschlichen Leids, insbesondere seit der Holocausterfahrung. Als eine Art Medikation für postmoderne, subjektlose Zeiten empfehle der Autor ein "biblisches Gottesgedächtnis". Nietzsches Diktum "Gott ist tot" habe sich zur einer allgemeinen "Gotteskrise" ausgeweitet. Am "eindrücklichsten" hat der Rezensent jene Kapitel wahrgenommen, die nach einer angemessenen "Gebetssprache" fragten. Ohne vorschnelle Versöhnung sehe Metz das Gespräch mit Gott auf der Grundlage einer Erinnerung an ungesühnte Leiden. Die Theodizeefrage solle offen gehalten werden. Damit hänge auch die erstaunlich geringe Betonung des Kreuzes Christi zusammen, so der Rezensent, da sonst das "Leid der anderen" zu schnell in den Hintergrund geraten kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.12.2006

Hermut Löhr würdigt Johann Baptist Metz als einen der "profiliertesten" katholischen Theologen der "Generation Ratzinger". Im Mittelpunkt des vorliegenden Bandes sieht er das Problem der Theodizee. Die diversen Aufsätze wirken auf ihn wie eine Apologie von Metz? "neuer politischer Theologie", nach der Lehre und Leben zusammengehören. Er unterstreicht die Polemik des Autors gegenüber theologischen Entwürfen, die aus der Distanz zu Subjektivem und Engagement "intellektuelle Würde" schlagen wollen. Als Gewährsleute des Autors nennt er in diesem Zusammenhang Autoren wie Kierkegaard Augustin, Pascal, Newman, Bonhoeffer und Karl Rahner. Löhrs teilweise sehr ins theologische Detail gehende Auseinandersetzung mit dem Autor mündet in einem doppelten Fazit: Wer ernsthaft auf der Suche nach Gott sei, könne bei Metz "ungewohnte", aber weiter führende theologische Anregungen aus dem Geist biblischer Tradition finden. Wem es vor allem um die Lösung praktischer Aufgaben im Blick auf fremdes Leids gehe, dem könnte der Band als Weg um die "Mühen der politischen Ebene" herum erscheinen.