Eine Niere bekommt man in Indien für 300 Euro, ein afrikanisches Adoptivkind "kostet" mit allen notwendigen Papieren 20.000 Euro, eine Frau ist in Albanien unter Umständen schon für 800 Euro zu haben. Hieß es nicht immer: Der Mensch ist keine Ware? Tatsächlich werden Menschenleben nicht nur in fernen Ländern ökonomisch bewertet, ihre Monetarisierung hat auch Deutschland längst erreicht. "Was bin ich wert?": Mit dieser Frage hat sich Jörn Klare auf eine Recherchereise ins Reich der Menschenwert-Berechner gemacht. Sie führt ihn auf Ämter und ins Gefängnis, zu Politikern und Philosophen, zu Ärzten und Gesundheitsökonomen, aber auch zu seiner kleinen Tochter. Ganz am Ende steht eine konkrete Zahl, auf Euro und Cent genau. Und die Erkenntnis: Die Würde des Menschen ist antastbar - zumindest wenn es sich "lohnt".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.08.2010
Das Thema ist verzwickt. Und wenn der Autor am Ende seine Zahl hinschreibt und sagt, seht her, das also bin ich wert, weiß Eva Weber-Guskar schon, dass es darum gar nicht geht in diesem Buch. Als Aufhänger funktioniert die Frage nach dem persönlichen Wert der einzelnen konkreten Person. Schnell aber taucht bei Jörn Klare die Frage auf, ob das geht, Menschen monetär zu werten, und natürlich hat er es bei seinen Recherchen im Gesundheits-, im Verkehrswesen, bei Lebensversicherern, Banken, Philosophen und Politikern stets mit einem statistischen, nicht mit einem persönlichen Wert zu tun, eine "inhaltliche Schieflage" also. Das alles sieht die Rezensentin. Das flotte Erzähltempo, die vielen beleuchteten Facetten des Themas und die Tatsache, dass der Band ein Problembewusstsein befördert, machen ihn für die Rezensentin lesenswert.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…