Jörg Uwe Sauer

Das Traumpaar

Roman
Cover: Das Traumpaar
Jung und Jung Verlag, Salzburg, Wien 2001
ISBN 9783902144027
Gebunden, 247 Seiten, 19,43 EUR

Klappentext

Berlin, Triest, Salzburg, drei "Metropolen des Wahnsinns", durchläuft der Protagonist dieses Romans, naturgemäß eine Bewegung des fortschreitenden Zusammenbrechens. Dabei fing alles ziemlich vielversprechend an: Gerade erst mit seiner DS (Citroen) in der neuen Hauptstadt angekommen - eine Stradivari, eine Amati und eine Guarneri im Gepäck, nebst einem Koffer mit einer Million, erfährt er von der Ausschreibung einer ordentlichen Professur für Tonsatz an der Freien Universität, bewirbt sich und bekommt die Stelle. Dass er nicht dafür qualifiziert ist, fällt in den Wirren der Wiedervereinigung nicht weiter auf...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.11.2001

"Die ganze Stadt ist vergurkt", stellt Jörg U. Sauer fest. Gemeint ist, natürlich, Berlin. Schlimmer noch: "hier west und aast der Wahnsinn", fasst die Rezensentin Susanne Balthasar zusammen. Man glaubt es gerne, wenn man liest, dass es um einen Germanistikstudenten geht, der eine Professur für Musikpädagogik bekommt, weil er das "Salzburger Mozarteum" gesprächsweise zu erwähnen verstand. Ein Virtuose ist er freilich schon, jedoch beschränkt sich seine Expertise auf drei Gebiete: "das Nichtstun, das Nichtswissen und das Nichtskönnen". Geschildert wird dieser bedenkliche Fall von Jörg Sauer, so Balthasar, mit "Wortwut", in einem "Erguss ohne Zeit und Raum", als "irrer Strudel", von dem sich die Rezensentin offenbar fortgerissen führte. Ins Spiel kommt, als Imitat und womöglich bloße Einbildung, eine bei Goethe unverhohlen entwendete Mignon, und Thomas Bernhard ist ohnehin allgegenwärtig: im Eingangs-Zitat, in der Wahl des Schauplatzes, im Stil des Autors. Für die Nicht-Germanisten unter den Lesern gibt die Rezensentin Entwarnung: auch sie können hier ihren Spaß haben. Balthasar ist von dem ganzen Wahnsinn offenkundig amüsiert, jedoch, aufgrund ästhetischer Mängel, auf die sie nicht näher eingeht, nicht restlos begeistert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.04.2001

Des Juxes, Thomas Bernhard zu imitieren, kann sich selbst der Rezensent nicht enthalten. Und warum auch. Bis einschließlich zum zweiten Buch, findet Eberhard Falcke, sei es einem Autor gestattet, mit Wiederaufbereitungsprosa zu glänzen und laut "Es lebe Bernhard!" zu rufen. Macht, dass dieser Roman (Sauers zweiter), mit dem sich der Autor also beladen mit "philologisch hochwertigen Zitiergütern" in die Reihe der Palaverkünstler einordnet, bei Falcke gar nicht mal so schlecht wegkommt. Die Konsequenz, mit der hier im Steinbruch der Literatur (neben Bernhard trifft es auch Goethe und Rilke) geschürft wird und die den Romanhelden schließlich gar nach Steinhof (diesem Nirwana Bernhardscher Existenzen) befördert, muss den Rezensenten beeindruckt haben.
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