Jörg Schieke

Silverman schickt mich

Gedichte
Cover: Silverman schickt mich
Poetenladen, Leipzig 2024
ISBN 9783948305222
Kartoniert, 88 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Jörg Schiekes Gedichte ziehen wie filmische Plots vorbei, in denen sich verblüffende Welten auftun, so alltagsnah wie surreal. Der Autor versteht sich aufs Groteske und Geheimnisvolle, spielt mit Rückblicken in ostdeutsche Stimmungslagen. Es gibt defekte Gäste-WLANs, Pizzakartons, mit denen man Frisbee spielt, und den berühmten Fahrradbären im Zirkus. Wer aber ist Silverman? Nicht fassbar, schillernd, silbrig und doch abgründig, er lacht, er kann uns das Passwort entziehen und besucht am Abend das Kulturprogramm.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 24.02.2024

Rezensent Alexandru Bulucz findet in Jörg Schiekes Gedichtband eine überfällige "systematische poetische Auseinandersetzung mit der NVA". In zwei Gedichtzyklen reflektiere der 1965 geborene Redakteur und Radiojournalist autobiografisch über seine Zeit als "Sprutze" (Neuling in der Grundausbildung) unter der Fuchtel der "Lädies" (längerdienenende Kameraden) in der Nationalen Volksarmee der DDR. Dabei geht es viel um Schikanen durch die Lädies, um Heimweh (in schönen Wortneuschöpfungen wie "Nieheimgepäck" oder "Nieheimbriefe", zitiert Bulucz) und um einen "Arbeitsdiskurs" im Nordostdeutschland der 80er Jahre als rotem Faden. Wenig erfährt man hingegen über den titelgebenden Silverman, dessen Beschreibung sich auf einen kulturaffinen und gut organisierten Chef beschränkt, hält der Kritiker fest. Aber gerade im Spiel mit den Auslassungen, die eine restlose Auflösung der Gedichte gezielt verhindern, sieht er eine große Qualität dieses versierten Dichters. Der offensichtlich "weiß, was er tut", lobt Bulucz.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.01.2024

Dieser verschrobene, gewitzte und kluge Buchstabentanz versetzt auch den Rezensenten Tobias Lehmkuhl in Freudentaumel: Aus Harry Belafonte wird in Jörg Schiekes neuem Gedichtband Harry Bolafente, der Reim auf "Kontinente" erfordert es. An die schillernden Zeiten der 60er und 70er fühlt sich Lehmkuhl erinnert, aber auch die DDR kommt vor, alles ganz leicht neben der Spur, freut er sich. Von "Sprutzen", NVA-Soldaten im ersten halben Jahr, lernen wir ebenso wie von "Maschierpulver aus Bolivien", also Koks, wenn es aufgeht "nach Bolivien, funky, funky", erzählt der begeisterte Kritiker, der die Lektüre nur empfehlen kann.

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