Jörg Döring

. . . ich stellte mich unter, ich machte mich klein . . .

Wolfgang Koeppen 1933-1948
Stroemfeld Verlag, Frankfurt am Main - Basel 2001
ISBN 9783861091615
Broschiert, 358 Seiten, 24,54 EUR

Klappentext

Im Bewusstsein der Leser ist Wolfgang Koeppen (1906-1996) in erster Linie ein Nachkriegsautor - bekannt geworden durch eine Romantrilogie in den fünfziger Jahren, ein Kritiker der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft, eine Reiseschriftsteller, schließlich der berühmte Schweiger: ein Mythos in der Literaturgeschichte der Bundesrepublik. Koeppen verstummte literarisch, weil er seinen immer wieder annoncierten "großen Roman" nicht beenden konnte, der seine widerspruchsvolle Lebensgeschichte während des Dritten Reichs und kurz danach literarisch darstellen sollte. Die vorliegende Werkbiografie des unbekannten Koeppen von den publizistischen Anfängen bis zur Nachkriegstrilogie, die Rekonstruktion seines Lebens und Schreibens, wird andeuten, warum Koeppen mit seinem "großen Roman" scheiterte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.03.2002

In den vielen Interviews, die Wolfgang Koeppen gegeben hat, sind Dichtung und Wahrheit nicht immer trennscharf von einander geschieden. Das gilt insbesondere für Koeppens Jahre im Dritten Reich. Nun hat sich Jörg Döring eingehend mit Koeppens Leben und Werk während der Jahre 1933 bis 1948 beschäftigt. Herausgekommen ist eine Studie, die, so der Rezensent Sven Hanuschek anerkennend, "kaum noch Fragen offen lässt". Döring könne zeigen, dass Koeppen - obschon kein "übermäßiger Opportunist" - wie viele andere Künstler, die in Deutschland den Nationalsozialismus zu überleben suchten, Kompromisse schließen musste, und dass er diese Tatsache später stets etwas schönfärbte. Hanuschek hebt lobend hervor, dass Döring nie in "öden journalistischen Biografismus" abgleitet, da er immer zugleich Koeppens Arbeiten analysiert. Insbesondere Dörings systematischen Vergleich der originalen Aufzeichnungen Jakob Littners mit Koeppens umstrittenen Text gefällt dem Rezensenten. Was Koeppen wegen seiner Kompromisse mit den Mächtigen selbst nicht vermochte, gelingt nach Hanuschek nun Döring: Mit seiner Studie liefere er Koeppens "disparaten-desperaten Lebensroman" für die Jahre 1933-1948 nach, und zwar "detailfreudig, nüchtern und freundlicherweise ohne erhobenen Zeigefinger."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.02.2002

Das Verhältnis zwischen Dichtung und Wahrheit bei Koeppen war dem Rezensenten nie ganz geheuer. Nun, nach der Lektüre dieses, wie Hans- Ulrich Treichel erklärt, gut und lehrreich geschriebenen und im moralischen Urteil fair bleibenden Buches, scheint er sich bestätigt zu fühlen. Zahlreiche offenen Fragen, etwa zu Koeppens Lebens- und Einkommensverhältnissen während des Krieges und zur Authentizität seiner Prosa, konnte die vorgenommene biographische Rekonstruktion dem Rezensenten beantworten. Und konnte ihn doch nicht bewahren vor der Melancholie angesichts eines "zugunsten der historischen und philologischen Wahrheit" angekratzten Werkes.
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