Aus der Sicht der DDR war die ARD ihr gefährlichster medialer Feind, weil sie mit ihren Fernseh- und Hörfunksendungen das Meinungsbild der Deutschen in der DDR prägte. Die ARD-Korrespondenten in Ost-Berlin boten den ostdeutschen Zuschauern und Hörern eine innenpolitische Berichterstattung aus der DDR, wie es sie dort nicht gab. In der DDR hatte die Stasi als "Ideologiepolizei" Hörfunk und Fernsehen der DDR zu kontrollieren. Das ist ihr auch gelungen: Alle wichtigen Redaktionen und technischen Abteilungen des DDR-Hörfunks und -Fernsehens waren mit Inoffiziellen Mitarbeitern durchsetzt. Die Zahl der Inoffiziellen Stasi-Mitarbeiter in der ARD war dagegen wesentlich geringer als vielfach angenommen. Auf Programmplanung, Programmgestaltung und Personalpolitik der ARD hatte die Stasi keinen Einfluss. Davon, dass die ARD von der Stasi "unterwandert" gewesen sei, kann keine Rede sein.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.11.2009
Hans-Joachim Föller weiß nach dieser Lektüre mehr über die Einflüsse der Stasi auf die Medien in Ost und West. Was die Mitarbeiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der FU Berlin im Auftrag der ARD für diesen Band erarbeitet haben, zeigt laut Föller vor allem zweierlei: Erstens kann von einem Informationsmonopol in der DDR durch die SED nicht die Rede sein, zu stark wirkte der "Klassenfeind" in diesen Bereich hinein. Und zweitens war der Einfluss des MfS auf die Schaltzentralen der ARD eher gering. Zu diesem Schluss kommt der Rezensent zusammen mit den Beiträgern, obgleich der Band ausführlich die Behinderungen und Kontrollen thematisiert, denen westliche Korrespondenten in der DDR ausgesetzt waren. Im Hinweis auf ein noch nachwirkendes Erbe bei den Sendeanstalten der neuen Länder sieht Föller die Bahn frei für Diskussionen über eine Kerninstitution der Demokratie.
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