Jochen Schimmang

Grenzen Ränder Niemandsländer

51 Geländegänge
Cover: Grenzen Ränder Niemandsländer
Edition Nautilus, Hamburg 2014
ISBN 9783894017989
Gebunden, 160 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Mit Fotos. Jochen Schimmang schreibt vom Glück, das an den Rändern verborgen liegen kann. Entlang seiner Autobiografie erzählt er davon, was es heißt, ein Kind der britischen Besatzungszone (und nicht eines deutschen Staates) zu sein. Er berichtet von frühen Grenzerfahrungen im "Zonenrandgebiet" und an der höllandischen Grenze, vom verträumten dänischen Fährhafen Rodbyhavn, vom räumlichen und zeitlichen Ende der Welt, vom Transit BRD Westberlin und vom Transitorischen im Allgemeinen. Er schreibt eine persönliche Kulturgeschichte des Verschwindens, des Verstecks, des Unsichtbarwerdens und prägender Lektüren. Diese literarischen Geländegänge führen sowohl in den englischen Klassenkampf wie zu Peter Handke in Chaville. Der Leser darf dem Autor in entlegenste Winkel folgen, auf Dachböden und in kindsgroße Löcher unterm Bahndamm. Festes Schuhwerk ist dazu nicht nötig. Es reichen Neugier und Entdeckerfreude.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2015

Mit gemischten Gefühlen hat Rezensent Friedmar Apel Jochen Schimmangs neues Buch "Grenzen Ränder Niemandsländer" gelesen. Wie bereits im Vorgänger "Neue Mitte" folgt der Kritiker auch hier den Ausführungen des Autors über die Utopie eines herrschaftsfreien Raums; im neuen Buch begibt sich Schimmang in "51 Geländegängen" auf die Suche nach Niemandsländern und reist nach der Lektüre von Emmanuel Boves "Bécon-les-Bruyères" etwa in eine Ortschaft in der Nähe von Paris oder in den Media-Park in Köln, so Apel. Auch, wenn dem Rezensenten Schimmangs atmosphärische und dichte Beschreibungen durchaus gefallen, muss er gestehen, dass ihm das "pharisäerhafte Bescheidwissen" des Autors bisweilen die Lektüre verderben.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.12.2014

Hymnisch bespricht Rezensent Frank Schäfer Jochen Schimmangs neues Buch "Grenzen Ränder Niemandsländer", das bewusst auf die Kommasetzung im Titel verzichte, um ganz im Sinne Roland Barthes' auf Zwischenräume aufmerksam zu machen. Der Kritiker entdeckt in den 51 biografischen Gedankenreisen Schimmangs "alltagsphilosophische Meditationen" über den Schlaf oder die Heimat, kunsthistorische Exkurse über den Bergarbeiterstreik in Großbritannien oder liebevolle Porträts, etwa über Peter Handke oder ein paar pointierte Sticheleien, etwa gegen Stefan Aust. Schäfer kann gar nicht aufhören in diesem kurzen, aber äußerst intensiven Band zu lesen, folgt Schimmangs Reflexionen über die Bundesrepublik, auch wenn er seinen Wunsch eines "völlig entmündigten" Deutschlands nicht unbedingt teilen kann. In jedem Fall aber lernt der Kritiker hier, wie bedeutsam das "defensive Glück in der Lücke" sein kann.
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