Jochen Kornelius Schütze

Vom Fremden

Cover: Vom Fremden
Passagen-Verlag, Wien 2000
ISBN 9783851654417
Kartoniert, 108 Seiten, 14,32 EUR

Klappentext

Seit dem 18. Jahrhundert verwandeln sich die Fremden allmählich von Objekten der Schaulust zu wissenschaftlich interessanten Kreaturen. Man ordnet sie in die Menschheit ein und erweitert damit deren Begriff beträchtlich. Es gelingt allerdings auch der hartnäckigsten Differenzierungskunst nicht zu bestimmen, was das Fremde an den Fremden ist. Es nimmt im Laufe der Assimilation ab, bis es ganz in den globalen Wirtschafts- und Verwaltungsstrategien unserer Zeit verschwindet. Am Ende soll niemand mehr irgendwo fremd sein. In den Leerstellen, die das Fremde hinterlässt, setzen sich rassistische Einstellungen fest. Rassismus einerseits und postkolonialen Fremdenkult andererseits gibt es, weil es keinen Fremden mehr gibt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.07.2001

Der Philosoph Jochen K. Schütze räumt in seinem Essay über das Fremde mit einigen Prämissen für politisch korrektes Reisen auf, berichtet Christoph Hennig. Etwa mit der, dass man nicht mit dem exotischen Blick auf große Fahrt gehen, sondern das Fremde verstehen lernen sollte. Ganz falsch, schreibe Schütze: Andersartigkeit sei nicht erfassbar, der Respekt davor sei vielmehr entscheidend. Diesen Ansatz findet der Rezensent in jeden Fall interessant, mag aber dem pessimistischen Schlusswort des Autors, das Fremde sei wegen der Entschlüsselung des menschlichen Erbguts und der Globalisierung verschwunden, nicht zustimmen. Schützes Bild von einer gleichgeschalteten Welt spiegelt für Hennig alte Befürchtungen, die für ihn bis heute nicht eingetreten sind.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.01.2001

Uwe Pralle ist zwar einerseits der Ansicht, dass der Autor hier einen "aufschlussreichen Essay" vorgelegt hat, doch in mancherlei Hinsicht habe sich Schütze mit seiner Argumentation in eine "Sackgasse" manövriert. Grundannahme Schützes ist es, wie der Rezensent erläutert, dass besonders dort eine Angst vor dem Fremden vorherrscht, wo es kaum Fremde gibt. Dies kommt, wie Pralle weiter referiert, durch ein Bedürfnis nach etwas Fremden, das "notfalls sogar" erfunden wird, um es gleich wieder zu beseitigen bzw. aufzulösen. Gegen die Idee selbst scheint Pralle nichts einzuwenden, doch verzettelt sich Schütze seiner Ansicht nach bei der Argumentation in Widersprüchen. Denn einerseits setze er auf eine "entbiologisierte Politik kultureller Differenzen", andererseits beziehe er sich ausgerechnet auf Carl Schmitt, der einen gegenteiligen Ansatz vertritt. Viele Fragen bleiben für den Rezensenten ungeklärt, etwa wieso überhaupt noch über einen `Kosmopolitismus neuer Art` nachgedacht werden soll, wenn die Globalisierung letztlich zu einer Beseitigung des Fremden führt, die nach Schützes These wiederum einen verstärkten Rassismus zur Folge hat.
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