Er wohnt in Winnenden. Er ist Journalist. Seine Frau ist Lehrerin. Seine beiden Töchter gehen in das Schulzentrum, zu dem auch die Albertville-Realschule gehört, wo am 11. März 2009 ein Amoklauf stattfand. Ein Jahr lang begleitet Jochen Kalka den Versuch der Einwohner Winnendens, in die Normalität zurückzukehren. Schlaglichtartig und eindringlich beschreibt er persönliche Eindrücke und Szenen einer traumatisierten Stadt, greift Dialoge der Menschen vor Ort auf, schildert mutlose Politik und das Fehlverhalten übermütiger Medien.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2011
Zunächst einmal: ein spannendes Projekt. Lobt der Rezensent Michael Hanfeld. Der Kritiker und Übersetzer Joachim Kalka zeichnet nach, was beim Amoklauf (den er allerdings dem Untertitel des Buches zum Trotz selbst nicht so nennen will) in Winnenden geschah. Kalka war als Bewohner des Ortes nah dran, er schildert aus eigener Anschauung und Betroffenheit. Gelungen findet Hanfeld den Auftakt, der die Chronik des Geschehens notiert. Danach aber geht es ihm zu sehr ins Ungefähre. Der Rezensent vermisst die Schärfe der Analyse, das lese sich recht bald nur noch wie recht beliebige "Tagebuchnotizen". Schade drum, befindet Hanfeld, eine verschenkte Chance.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.2011
Einen ambivalenten Eindruck hat Jochen Kalkas Buch über den Amoklauf von Winnenden und die Folgen für den Ort bei Sebastian Beck hinterlassen. Das hat in seinen Augen vor allem mit der fehlenden Distanz des Autors zum Geschehen zu tun. Kalka, der als Chefredakteur von "Werben und Verkaufen" in München arbeitet, lebt mit seiner Familie in Winnenden. Diese Nähe scheint dem Rezensenten Schwäche und Stärke des Buchs zugleich. Beeindruckend findet er Kalkas Schilderungen, wie seine Kinder noch monatelang unter dem Geschehen leiden, wie sie und andere Einwohner, auch wenn sie nicht unmittelbar vom Amoklauf betroffen waren, zu Opfern wurden. Das Chaos, die Fassungslosigkeit, die Verstörung, die den Ort erfasst haben, wird für ihn sehr deutlich. Dass Kalka sich mit dem Täter und dessen Familie bewusst nur am Rande beschäftigt, dann aber "voller Hass", ist Beck eher unangenehm, zur Analyse und zum Begreifen der Tat trägt es nichts bei.
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