Herausgegeben vom Archiv der Jugendkulturen. Am 26. April 2002 tötete ein Erfurter Gymnasiast 16 Menschen und anschließend sich selbst. Die schockierende Tat löste eine Debatte über Jugendgewalt, Medienwirkung und unser Bildungssystem aus. Das Schulmassaker stellt als Amoklauf einer Einzelperson einen bislang dramatischen und traurigen Höhepunkt zumindest in Deutschland dar. Die Tat hat viele Menschen hilflos zurückgelassen, gerade auch jene, die sich täglich damit auseinandersetzen müssen. Das Archiv der Jugendkulturen e.V. begibt sich auf Spurensuche und unternimmt einen Versuch, mit Hilfe von profilierten Experten und Angehörigen des Gutenberg-Gymnasiums den lähmenden Schrecken und das Entsetzen zu durchbrechen und unseren Fragen Fakten gegenüber zu stellen, die dazu beitragenkönnen, die eigene Hilf- und Ratlosigkeit zu überwinden.
Am Anfang stand eine verstörende Tat, der Amoklauf in Erfurt, es folgten Medienpalaver, Ermüdung und Vergessen, so die Analyse von Rezensent Eberhard Seidel. Um so begrüßenswerter findet er diesen Band des Berliner Archivs der Jugendkulturen, der den offenen Fragen und den traumatischen Erinnerungen der Augenzeugen, nachgeht, ohne schnelle Erklärungsversuche zu liefern. So berichte etwa die Schülervertreterin des Gutenberg-Gymnasiums, was es bedeute, für Medienvertreter Zeitzeugin zu sein, wenn man erzählen müsse, einem aber nur nach Heulen zumute sei, vermerkt Seidel. Besonders angetan zeigt er sich von Reinhard Kahls "brillanten Essay" "Zwischen Erfurt und Pisa", einem Plädoyer für eine Kultur der Anerkennung und eine Offensive zum Abbau der verbreiteten Unkultur von Beschämung und Aberkennung. Ein generelles Lob zollt Seidel den Herausgebern, die den Band nicht werbewirksam zum ersten Jahrestag des Ereignisses auf den Markt geworfen haben. Insgesamt sei der "Amoklauf von Erfurt" ein "ruhiger Band", resümiert Seidel, "der vor allem Material für weiteres Nachdenken über den Zustand unserer Gesellschaft liefert."
Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Botho Strauß: Bleiben und Blicken In Botho Strauß' neuem Buch geht es um die Zeit und ihr Vergehen, um den Zauber der Kunst, um das Originale und das Eigentliche. Vor allem sind es Begegnungen und Nichtbegegnungen,… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…