In einer Bibliothek, deren Bücher der Frage nach dem guten, dem vielleicht richtigen Leben nachgehen, darf Adornos berühmter Satz als Behauptung nicht ununtersucht bleiben. Wie kann man überhaupt ein falsches von einem richtigen Leben unterscheiden? Von welcher Seite aus betrachtet ist ein Leben falsch oder richtig? Aus der Perspektive der Flugzeugattentäter vom 11. September 2001 ist das falsche Leben genau das richtige Leben der westlichen Welt. Was stellt man mit dieser Erkenntnis an? "Dem Großprojekt eines Auszugs aus der falschen Welt und dem grundfalschen Leben war bislang kein durchschlagender Erfolg beschieden." Diesen Fehler im Webmuster des Lebens, des Denkens aufzuspüren, macht sich Jochen Hörisch auf.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.02.2004
Rezensent Alexander Kissler mokiert sich ein wenig und stellt das Buch des Mannheimer Germanisten als "Jochen-Hörisch-Wellnessprogramm" vor, das es auf beachtliche Weise fertig bringe, das grüblerische Werk des Philosophen und Literaturtheoretikers T. W. Adorno in ein "Manifest der Lebensfreude zu verwandeln". Ein gewagtes und durchaus sympathisches Unterfangen, das allerdings nur gelingt, versichert Kissler, weil Hörisch fast ausschließlich die "Ästhetische Theorie" wahrnehme und den Rest von Adornos Werk ausblende. Dessen in der "Ästhetischen Theorie" gewonnenen Einsichten (es gebe zwar kein richtiges Leben, aber das "wahre-gelingende", zitiert Kissler den Autor) verknüpfe Hörisch mit der These von Adorno als ewigem Träumer und Kind im Manne, der lebenslang das Wahre, Gute und Schöne gesucht habe. Um seine Thesen zu untermauern, greift Hörisch selbst recht infantil in die Mythenkiste der Postmoderne, kritisiert der Rezensent und kommt zu dem Schluss, dass bei aller Sympathie, die er für das Unternehmen aufbringt, die Auslassungen allzu groß sind. "Das Licht der Erkenntnis, in dem Hörisch sich spreizt", lautet Kisslers letzter vernichtender Satz, "kann nur eine Höhensonne sein."
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.12.2003
Adorno war ein "Meister der einprägsamen Formulierungen", charakterisiert ihn Michael Schefczyk, dessen apodiktisch gefassten Ansichten mit Leichtigkeit den Weg ins Zitatenkästlein der Gebildeten gefunden hätten. Einer der Lieblingssätze der Adorno-Anhänger, erinnert sich Schefczyk weiter, lautete: "Es gibt kein richtiges Leben im falschen". Auch wenn sich nun der Mannheimer Germanist Jöchen Hörisch dieses Satzes in der Suhrkamp-Reihe "Bibliothek der Lebenskunst" angenommen hat, so glaube er ihn nur zur Hälfte, behauptet Schefczyk. Hörisch misstraue der gnostischen Weltverneinung und Jenseitssehnsucht, schreibt der Rezensent, kann aber dessen Ausführungen über gnostische Polittheologie und dem plötzlichen Schwenk zu Adorno als Anti-Gnostiker nur bedingt folgen. Auch was Hörisch zur Rettung Adornos und der anderen Satzhälfte auffährt (welcher auch der Autor zugeneigt ist), vermag Schefczyk nicht zu überzeugen. Ein "tapferer Rettungsversuch", schreibt er abschließend, der den theoretischen Unterbau des Satzes vom richtigen Leben im falschen als insgesamt reichlich schwach entlarvt.
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