Joanne K. Rowling

Ein plötzlicher Todesfall

Cover: Ein plötzlicher Todesfall
Carlsen Verlag, Hamburg 2012
ISBN 9783551588883
Gebunden, 576 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Susanne Aeckerle und Marion Balkenhol. Als Barry Fairbrother mit Anfang vierzig plötzlich stirbt, sind die Einwohner von Pagford geschockt. Denn auf den ersten Blick ist die englische Kleinstadt mit ihrem hübschen Marktplatz und der alten Kirche ein verträumtes und friedliches Idyll, dem Aufregung fremd ist. Doch der Schein trügt. Hinter der malerischen Fassade liegt die Stadt im Krieg. Krieg zwischen arm und reich, zwischen Kindern und ihren Eltern, zwischen Frauen und ihren Ehemännern, zwischen Lehrern und Schülern. Und dass Barrys Sitz im Gemeinderat nun frei wird, schafft den Nährboden für den größten Krieg, den die Stadt je erlebt hat. Wer wird als Sieger aus der Wahl hervorgehen - einer Wahl, die voller Leidenschaft, Doppelzüngigkeit und unerwarteter Offenbarungen steckt?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.10.2012

Als "Weltliteratur" würde Rezensentin Marion Löhndorf J. K. Rowlings neuen Roman "Ein plötzlicher Todesfall" nun nicht gerade bezeichnen. Vielmehr erscheint ihr das ebenso moralische wie politische Buch als "guter Journalismus" - geschrieben von einer Autorin, die nicht mehr unterhalten, sondern auf aktuelle Themen der Gegenwart hinweisen will. Und so liest die Kritikerin hier viel über "Mobiltelefon-Obsession, Internet-Pornografie, Stalking und Mobbing auf Facebook" und begegnet zahlreichen Figuren aus allen sozialen Schichten. Rowlings frustrierte Ehefrauen im "mausgrauen Selbstverneinungsmodus" seien etwa ebenso naturalistisch und authentisch geschildert wie die niederträchtigen Lokalpolitiker, die gewalttätigen Schüler oder die Drogensüchtigen, welche die fiktive Kleinstadt Pagford bevölkern, lobt die Rezensentin. Das Finale dieses deftigen Romans erscheint der Kritikerin allerdings zu vorhersehbar und melodramatisch.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2012

Jens Jessen ist durchaus angetan von Joanne K. Rowlings erstem Erwachsenenroman "Ein plötzlicher Todesfall". Zwar stimmt er den Kritikern zu, dass die Autorin sprachlich nicht auf allzu hohem Niveau operiert: "Hier swingt nichts, hier wird mit ziemlich flachen Absätzen die Treppe runtergetrappelt". Das sei aber schon okay so, denn worauf es hier ankomme, sei nicht das Wie, sondern das Was - und das habe es in sich. Eine fiese Geschichte über fiese Menschen, die aus fiesen Motiven fiese Dinge tun, erzähle Rowling und übe so eine Sozialkritik, die nicht von politischen Absichten oder Sentimentalität geleitet ist, sondern "von echtem Hass", wie der Rezensent anerkennend feststellt. Darin gleiche die Autorin keinem Geringeren als Émile Zola. Jessens Fazit: Rowlings "Manifest der Empörung" sieht vielleicht nicht aus wie echte Literatur. "Es ist aber doch welche - sogar ziemlich große".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.09.2012

Rezensentin Felicitas von Lovenberg muss gestehen: Joanne K. Rowlings neuer Roman "Ein plötzlicher Todesfall" hat sie ziemlich enttäuscht. Einen so radikalen Bruch mit den "Harry Potter"-Werken hatte die Kritikerin nicht erwartet. Sie begleitet die Autorin hier in die fiktive britische Kleinstadt Pagford, in der nach dem Tod des sozial engagierten Gemeinderatsmitglieds Barry Fairbrother ein von Neid, Aggression, Heuchelei und Selbstsucht geprägter Kampf um die Nachfolge beginnt. Bei den zahlreichen Familien, die Rowling hier schildert, um ein möglichst dichtes, sozialkritisches Bild einer "kleinbürgerlichen Mittelstandshölle" zu vermitteln, verliert die Rezensentin allerdings bald den Überblick. Darüber hinaus muss sie leider feststellen, dass die Ausführungen der Autorin über Doppelmoral, Drogenkonsum, Alkoholismus und Prostitution allzu "stereotyp" geraten sind. Auch das gelungene dramatische Finale kann die Kritikerin nicht über die erzählerischen Mängel des Romans hinwegtrösten. Vielmehr hätte sie sich gewünscht, dass eine begabte Erzählerin wie Rowling mehr auf die Vorstellungskraft ihrer Leser setzt, statt jene mit unwesentlichen Detailschilderungen zu ermüden. Die Übersetzung von Susanne Aeckerle und Marion Balkenhol kann Lovenberg allerdings nur loben.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.09.2012

Eine "neue Zeitrechnung" sieht Sylvia Staude mit diesem Roman für Joanne K. Rowling gekommen, auch wenn die Rezensentin um die Feststellung nicht umhinkommt, dass nach diesem Buch wohl "wenige Hähne krähen würden", hätte ein anderer als die Harry-Potter-Autorin dieses zwar auch satirische, "vorwiegend aber realistische" Sozialdrama verfasst. Einen Krimi, wie einige Gerüchte vermuten ließen, habe Rowling mit "Ein plötzlicher Todesfall" zwar nicht vorgelegt, auch wenn es tatsächlich eher um die Schattenseiten der Gesellschaft geht. Diese nachzuvollziehen ist anfangs zwar "noch ziemlich lustig", wechselt aber bald ins ernste Register, notiert die Rezensentin, für die Rowlings Genrewechsel einerseits vor dem biografischen Hintergrund der Autorin, die vor ihrem Durchbruch von Sozialhilfe lebte, andererseits aber auch aufgrund ihrer unbestrittenen Fähigkeiten als "Menschenbeobachterin" und "treffsichere Formuliererin" am Ende doch nicht so überraschend ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.09.2012

Die größte Schwierigkeit der Kritiker mit Joanne K. Rowlings ersten "Post-Potter-Roman" sieht Willi Winkler darin, dass die Autorin mit "Ein plötzlicher Todesfall" einen moralischen und sozialkritischen Roman vorgelegt hat. Winkler hat damit allerdings weniger Probleme. Klar, das Porträt der nur auf dem ersten Blick idyllischen Kleinstadt Pagford, die vom unerwarteten Ableben eines Gemeinderats aufgeschreckt wird, scheint auch ihm durchaus klischeehaft, gerade in den Unterschieden zwischen den Reichen und den Armen und der Beschreibung des sozialen Elends, von Drogensucht, Mobbing in der Schule und lieblosen Sex unter Schülern. Und auch sprachlich findet er einige Schnitzer, die er der ungezügelten Metaphernfreude der Autorin anlastet. Aber auf der anderen Seite - und das hält er dem Roman zugute - bietet das Werk in seinen Augen ein "erstaunlich reales Abbild der Gegenwart". Ja, Pagford ist für Winkler ein Albtraum, der endlich aufhören muss. In seiner Sozialkritik scheint ihm der Roman deutlich weniger platt als etwa die Argumentation der Occupy-Bewegung oder die Klagen eines Lafontaine. Zudem hat das Ganze für ihn Züge einer wirklich lustigen "comedy of manners" und liest sich sehr unterhaltsam. Und in den geheimnisvollen Mail-Botschaften des Geistes von Barry Fairbrother an die Bürger des Orts kann man nach Winkler sogar einen Rest Zauberei sehen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 29.09.2012

Daniel Schulz findet es angeraten, die Bitte der Autorin, diesen Roman voller "Cybermobbing, viel Sex und Vergewaltigung" nicht mit ihren früheren Harry-Potter-Romanen zu vergleichen, geflissentlich zu ignorieren: Ganz im Gegenteil, sagt der Rezensent, ist doch auch "Ein plötzlicher Todesfall" im selben Kleinstadtmilieu angesiedelt und von vielen freundlichen, einander aber hassenden Menschen sowie von vielen Übergewichtigen, deren Aussehen die Autorin "bis zur letzten Schwarte" beschreibt, bevölkert. Nicht zuletzt handelt auch dieser Roman, ähnlich wie die letzten Potter-Bücher, vom "Erwachsenwerden, wenn auch derber", doch fühlt sich der Rezensent bei dessen Lektüre "in einem Meer klischierter Sülze" ersäuft: Offensichtlich mangelt es dem potter-losen Kleinstadtroman an jemandem, der zaubern kann, schließt Schulz' schlechtgelaunte Rezension.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.09.2012

Felicitas von Lovenberg und Andreas Platthaus liefern jeweils einen knappen Bericht zum Erscheinen von J. K. Rowlings neuen Roman "Ein plötzlicher Todesfall", ohne schon auf die literarischen Qualitäten des Werks einzugehen. Platthaus besucht das Kulturkaufhaus Dussmann in Berlin, um sich ein Bild der Lage vor Ort zu machen, und muss feststellen: keine Schlangen vor der Tür, keine begeisterten Kunden, kein Hype, keine Magie. Nur ein nüchterner Wachmann, der sich daran erinnert, wie es früher war, bei Harry Potter. Frau von Lovenberg berichtet, wie sie das Buch um 8.26 Uhr von einem Paketboten in Empfang nimmt, dem der Name der Autorin gar nichts sagt. Daraufhin rekapituliert sie die bekannten Umstände der Geheimniskrämerei um das Buch und kündigt die eigentliche Rezension für den folgenden Tag an.
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