Aus dem Englischen von Wolfram Ströle und Reinhard Tiffert. Atemberaubende Abenteuer hat Lyra schon in den ersten beiden Bänden von Philip Pullmans Fantasy-Trilogie, im "Goldenen Kompass" und im "Magischen Messer", bestanden. Jetzt muss sie in die Welt der Toten hinabsteigen, eine alte Schuld sühnen und nach einer Erkenntnis suchen, die sie nur dort finden kann.
Dass Philip Pullman sich an seiner Fantasie-Trilogie "His Dark Materials" letztlich verheben würde, hatte Rezensent Siggi Seuss schon vor dem Erscheinen des dritten und letzten Teils vermutet. Pullman sei zwar ein ingeniöser, verführerischer Erzähler, der zwei ahnungslose Kinder fantasievoll und fintenreich durch schwer durchschaubare Paralleluniversen, Weltenkriege, Totenreiche und sogar verlorene Paradiese jagt. Dabei versuche er aber unglückseliger Weise stets zugleich die letzten Fragen der Menschheit abzuhandeln. In der Nachfolge von Milton, Blake, Kleist und Tolkien, seinen eingestandenen Vorbildern, verheddere sich der Oxforder Pullman in einen religionsphilosophischen Disput, der nicht nur für seine beiden jungen Romanhelden zu schwergewichtig sei, sondern auch den Leser überfordere. So tröste denn auch die enorme Bildmächtigkeit des Romans nur bedingt über seinen mitgeführten Wust an mythischer Symbolik hinweg. Fazit des Rezensenten: "Zu viel Sinn für zu wenig nachvollziehbare Handlung".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 11.04.2001
Sehr ausführlich beschäftigt sich Petra Kohse in ihrer Besprechung mit der neuen Welle der Fantasy-Kinder-Erwachsenen-Literatur. Allen voran natürlich Harry Potter, der aber bei der Rezensentin inzwischen nicht mehr so hoch im Kurs steht. Ganz anders dagegen die Trilogie "His Dark Materials" des in Oxford lebenden Schriftstellers und Literaturdozenten Philip Pullman. Dessen Werke, die Bände eins und zwei standen monatelang auf US-amerikanischen Bestseller-Listen, Band drei ist soeben im Deutschen erschienen, haben der Rezensentin deutlich besser gefallen. Pullman habe nicht wie Rowling eine konsistente, geschlossene Welt entworfen, sondern ein wucherndes, durch mehrere Zeitebenen springendes Werk, berichtet Kohse. Auch hier stehen Kinder im Mittelpunkt, auch hier kommt Fantasy ins Spiel. Doch anders als bei Harry Potter habe Pullman mit der Erfindung der Dämonen als veräußerlichte Seelen der Menschen eine erzählerische Figur geschaffen, die Kohse den Prozess des Erwachsenwerdens aufs Charmanteste nachvollziehen lässt. Kohse lobt Pullman dafür, dass er ein märchenhaft-intergalaktisches Alphabet geschaffen habe, in dem Kommunitarismus und transzendentaler Materialismus sich genauso spiegelten wie die zahlreichen Sündenfälle in der biblischen Genesis, im Nationalismus, in der Ethik, im Globalismus, in der Technik und in der Ökologie.
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