Das Grundmodell politischer Strategie baut auf strategischer Denkweise und politischer Praxis auf, erschließt aber gleichzeitig ein weites Spektrum politologischer Erkenntnisse. So verändern sich praktisches und theoretisches Wissen. Präzisierung des Strategiebegriffs, vielfältige analytische Differenzierungen, ein Orientierungsschema strategischer Akteure und das Konzept strategischer Kalkulationen helfen sowohl im Rahmen wissenschaftlicher Erklärungen wie auch bei der praktischen Strategieorientierung. Eingehend und mit Verweisen auf praktisch-empirische Beispiele werden die drei zentralen Bausteine des gesamten Strategy-Making entfaltet: Strategiefähigkeit, Strategiebildung, strategische Steuerung. Dem schließen sich Fallstudien zu strategischer Politik in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland an, die die systematischen Zusammenhänge illustrieren und zugleich das weitreichende Potential von Strategieanalysen unter Beweis stellen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.05.2008
Strategie spielt in der politischen Praxis eine Hauptrolle, scheint in der Politologie aber ein unterbelichtetes Feld zu sein, wenn man dem Rezensenten Ralf Altenhof glauben darf, der diese Feststellung als Grundüberlegung des Buchs darstellt. Sein Artikel ist weitgehend lobend: Die beiden Autoren leisten für ihn Pionierarbeit, die eine vorläufige Grundlegung in der Theorie mit recht konkreten Überlegungen zur Praxis verbindet. Gerade diese Praxisorientierung sieht Altenhof als innovativ an. Ihn stört allenfalls, dass die Fallstudien des Bandes ausschließlich der jüngeren Geschichte der deutschen Sozialdemokratie entnommen sind. Die Terminologie des Bandes kritisiert er als "mitunter hölzern".
Dieter Rulff begrüßt diese systematische Grundlegung einer Theorie der politischen Strategie, die Joachim Raschke und Ralf Til vorgelegt haben, zumal das Thema sowohl in der Politik als auch in den Politikwissenschaften eine viel zu kleine Rolle spielt. Er attestiert den Autoren, überzeugend die Elemente der politischen Strategie zu analysieren und die komplexen Konzepte und Prozesse der Strategiefähigkeit, Strategiebildung und strategischen Steuerung herauszuarbeiten. Aufschlussreich findet er besonders die Differenzierungen, die die Autoren treffen, etwa zwischen Führung und strategischer Steuerung unterscheiden, verschiedene Typen von Strategen vorstellen, Bezüge zwischen Umweltbedingungen und Steuerungsmöglichkeiten beschreiben, usw. Damit vermitteln sie in seinen Augen quasi "unter der Hand einen Begriff von politischem Handwerk", der sich nicht in dem bekannten Bohren dicker Bretter erschöpfe, sondern die Kategorie des Könnens zur Geltung bringe. Auch wenn das Buch notwendigerweise kleinteilig ausfällt, hat sich Rulff bei der Lektüre nie gelangweilt, was er darauf zurückführt, dass es "erfahrungsgesättigt" ist.
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