Aus dem Amerikanischen von Karolina Fell. Nach einem Selbstmordversuch mit Steakmesser findet sich Jim in der Psychiatrie wieder. Plötzlich hat seine Welt Türen ohne Klinken, die Ärzte scheinen ihn vergessen zu haben. Aber eigentlich gefällt es Jim bei den Irren gar nicht so übel - bis er erkennen muss, dass sie ihn für den Verrücktesten von allen halten ...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2006
Dies Buch scheint dem Rezensenten Christian Geyer die beste Gelegenheit, über gesellschaftliche, ja anthropologische Grundsatzfragen nachzudenken. Auf den ersten Blick liegt hier nicht mehr vor als Jim Knipfels Bericht von seinem halben Jahr in der geschlossenen Psychiatrie in Minneapolis. Es stellt sich freilich heraus, dass sich das Leben in der Psychiatrie von dem in der nicht weggesperrten Wirklichkeit so wesentlich nicht unterscheidet. Daraus folgt nun nicht so sehr, dass die Weggeschlossenen fehl am Platz sind, sondern eher: Auch wir hier draußen sind irre genug. Oder jedenfalls wären wir es und würden es, hätten wir - so Geyer - nicht "Büro" und "Familie", Gewohnheit und "Liturgie". Kurz gesagt: Der Mensch dreht durch, wenn er sich nicht selbst einsperrt oder eben einsperren lässt von Institutionen aller Art. Der Gesunde "hat nur einfach Besseres zu tun" als der Kranke, so das anthropologisch hoch konservative Fazit. Ob es auch das Fazit des Autors ist oder nur das des Rezensenten, das lässt sich angesichts der Begeisterung des letzteren schwer beurteilen.
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