Jean-Philippe Toussaint

Fernsehen

Roman
Cover: Fernsehen
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783518396995
Taschenbuch, 192 Seiten, 9,15 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Bernd Schwibs. Jean- Philippe Toussaint hat ein vergnügliches Buch zum Thema Fernsehen geschrieben, in dem er existentielle Fragen zutage fördert wie etwa: "Gehen wir unserem eigenen Leben aus dem Weg?" oder "Konsumieren wir lieber, als selbst tätig zu werden?"

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.01.2002

Rezensent Niklas Maak ist voll des Lobs für den neuen Roman des belgischen Schriftstellers Jean-Philippe Toussaint. Am besten lässt sich Toussaints Werk mit einem Zitat von Thomas Mann beschreiben, meint er: Die Romane mit ihren eigenartigen Figuren seien "lebensfreundlich", obwohl sie "vom Tode" wissen. Manchmal macht es einen glücklicher, wenn nicht alles so kommt wie gewünscht, findet Maak, und wie der Autor diese Art von Glück in ganz "lapidaren" Szenen beschreibt, das schätzt der Rezensent besonders. Dass die Leser in diesem "bösen, brillanten kleinen Deutschlandroman" mit der "Persiflage auf ambitiöse Medientheorien" reichlich durcheinander gebracht werden, stört Maak überhaupt nicht. Er ist erfreut, dass sich der französische Roman mit dem heutigen Deutschland befasst und dass dabei ein so "ätzendes" Bild des neuen Mittelstands herausgekommen ist. Bemerkenswert findet Maak auch das von Toussaint inzwischen zu einer "literarischen Kunstform" entwickelte Sprechen in Klammern. Damit kommentiert der Erzähler aus einer zweiten Perspektive das Geschehen, in dem er sich selbst befindet und relativiert es so, stellt Maak fest. Er schätzt diesen Trick, "Fallen zu stellen" und sich dabei gleichzeitig der Verantwortung zu entziehen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.07.2001

Mit dem Fernsehen hört der Protagonist des Romans, ein römischer Kunsthistoriker mit Stipendium in Berlin, irgendwann auf. Doch eben dadurch gewinnt es eine quasi überlebensgroße Bedeutung für ihn, berichtet Hans Peter Kunisch. Jean-Philippe Toussaint erzählt vom "Alltag eines Nichtstuers, der sich nicht anzuöden scheint" und tut dies, lobt Kunisch, provozierend nebenbei. Der Rezensent freut sich an den Details der Beobachtungen und den zugespitzten Gedanken, die der Autor präsentiere. Toussaint, so Kunisch, gelingt es, das Leichte mit dem Schwierigen, das Kleinste mit dem Universalen zu verbinden: die Malerei mit dem Fernsehen und das Ausruhen mit dem Nachdenken über die Kunst. Zudem liege mit dem Buch ein Berlin-Roman vor, der die Stadt am Beispiel zweier Familien in Ost und West höchst originell in den Blick nehme. Auf "seine gesprächige französische Weise", urteilt Kunisch, sei Toussaints Roman "ein einigermaßen wunderbares Buch geworden".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.03.2001

Ina Hartwig bespricht zwei zweitgleich auf Deutsch erschienene Bücher, in denen sich der gebürtige Belgier Toussaint über Berlin äußert, wo er 1993 als Stipendiat des DAAD eine Zeit gelebt hat.
1) Jean-Philippe Toussaint: "Fernsehen". Roman
Höchstes Markenzeichen des Autors: feine Ironie, die nach Hartwig einen französischsprachigen Kunsthistoriker durch das unwirtliche Berlin begleitet, ihn auf teutonische Alternative, prollige Nacktkulturhedonisten und einen diplomatisch jede Misslage übersehenden Direktor des Berlin-Programms stoßen lässt, wohinter nach Hartwig unschwer reale Personen zu erkennen wären. Noch markanter jedoch sei die Selbstironie, mit der der Autor alle verfänglichen Situationen schildere und darüber hinaus ein Experiment beschreibe, dem der Roman seinen Titel verdankt: der Erzähler möchte nämlich eine Zeit lang auf das "Fernsehen" verzichten. Was durchaus einen verschärfenden Effekt in der Wahrnehmung des Kunsthistorikers zur Folge hat, siehe Thema Berlin, außerdem aber als Selbstbeschreibung für Hartwig durchaus ernstzunehmende (und zugleich vergnügliche) Literatur darstellt.
2) Jean-Philippe Toussaint: "Selbstportrait in der Fremde"
Eine Fortsetzung findet Toussaints Berlin-Betrachtung im vorliegenden Essayband, der elf minimalistische Portraits versammelt, für die nach Hartwig Roland Barthes` Japan-Buch Vorbild gewesen sein könnte. "Un-Portraits" nennt sie die Rezensentin, die verschiedenen Ländern, Städten, Landschaften gelten: Tunesien, Korsika, Vietnam und natürlich Japan. Eine "Poesie des Peripheren" sieht sie evoziert, eine Auflösung des Ichs des Reisenden beschrieben, der sich in den verschiedenen Raum- und Zeitzonen verliert und doch auch wieder selbst erfährt. Der Ruf Berlins, eine unliebenswürdige Stadt zu sein oder vielmehr von unliebenswürdigen Personen in Verruf gebracht zu werden, erfährt übrigens auch in diesem Beitrag des Autors keine Korrektur, teilt Hartwig mit.