"Eine solche Jagd hat es in der Geschichte der Bundesrepublik bis dato nicht gegeben." Mit diesen Worten beschrieb Heribert Prantl die Berichterstattung in der Affäre um Christian Wulff. Wie kaum ein anderes Ereignis in den vergangenen Jahren hat uns die Causa Wulff das spannungsreiche Verhältnis von Presse und Politik vor Augen geführt. Ein spektakulärer Fall. Aber nicht der erste und sicher nicht der letzte seiner Art, denn Journalisten, so die These von Thomas Meyer, nutzen ihre Position immer häufiger, um in der politischen Arena mitzumischen. Eine problematische Entwicklung, schließlich können wir Fernseh- und Zeitungsmacher, anders als Politiker, nicht einfach abwählen.
In "Die Unbelangbaren" verficht Politikwissenschaftlers Thomas Meyer die These, dass einige "Großjournalisten" bei den großen Zeitungen und den Öffentlich-rechtlichen sich als "Co-Politiker" gerieren und bewusst Eskalationsjournalismus betreiben, um das politische Geschehen ohne jedes Mandat zu manipulieren. Stichwort: Christian Wulff. Rezensent Bernhard Pörksen kann diesen Vorwurf überhaupt nicht nachvollziehen. Das Böse, das weiß doch jeder, liegt im Internet auf der Lauer, versichert er: "diffus-unkontrollierbare Netzwerkeffekte" seien die eigentlich Gefahr, Journalisten selbst nur noch Getriebene. Der Leser staunt und überlegt: Welcher "Großjournalist" wurde jemals durch eine Internetkampagne aus dem Amt getrieben wurde?
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