Der Essay von Jean-Marc Lévy-Leblond gibt Auskunft darüber, was die moderne Physik eigentlich unter ihren materiellen Gegenständen versteht. Konsequent von dem Prinzip ausgehend, den Laien nicht durch eine elaborierte Formel- und Fachsprache abzuschrecken, entwickelt Lévy-Leblond in drei Vorträgen den Materie-Begriff der Quantentheorie, der Relativitätstheorie und der Teilchenphysik auf einem philosophisch wie auch wissenschaftstheoretisch anspruchsvollen Niveau. Es gelingt ihm, das Interesse am Gegenstand der modernen Physik wachzuhalten, das gerade in der deutschen Diskussion durch die etwas strapazierten Formeln der Kopenhagener Interpretation erstickt worden ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.04.2012
Sibylle Anderl hat sich ganz offensichtlich mehr versprochen von den in diesem Band versammelten drei Vorlesungen über die Materie des emeritierten Physiker-Professors Jean-Marc Levy-Leblond. Denn in den Augen der enthusiastischen Rezensentin ist und war das Thema ein Tummelfeld für äußerst inspirierende philosophische, begriffshistorische und physikalische Debatten. Levy-Leblonds Ausflüge in die Physikgeschichte aber lassen die Rezensentin eher schaudern, denn nimmt man den französischen Autor beim Wort, dann könnte man glauben, die Griechen der Antike seien im Grunde "bereits Teilchenphysiker" gewesen, denen nur das "Knowhow" fehlte. Auch die philosophischen Ausführungen machen die rezensierende Physikerin und Philosophin nicht recht froh, die hier "Tiefenschärfe" vermisst. So kann sie das Buch lediglich verhalten als "populärwissenschaftliche Einführung" in quantentheoretische und relativitätstheoretische Fragen und die Teilchenphysik empfehlen.
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