Jean Giono

Ein Mensch allein

Roman
Cover: Ein Mensch allein
Die Andere Bibliothek, Berlin 2018
ISBN 9783847704089
Gebunden, 288 Seiten, 42,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Caroline Vollmann. Menschen verschwinden spurlos. Capitaine Langlois, ein ehemaliger Kolonialsoldat, richtet sich mit seinen sechs Gendarmen in einem Gasthaus ein und spürt den erahnten Verbrechen nach. Ein Baum, eine Buche, der "zitherspielende Apoll unter den Buchen", birgt das Geheimnis. Langlois stellt den Mörder, er spricht das Urteil ohne Gericht - und er vollzieht es. Dann nimmt er seinen Abschied. Aber er kehrt zurück als Major des Wolfsjagdkorps. Er spürt den Wölfen nach. Er möchte sich im Dorf einrichten, Teil der Gemeinschaft werden, er findet eine Frau. Aber er ist: ein Mensch allein. Hochmütig und abweisend. Nur vertraut mit Gewalt und mit dem Tod. In dieser einsamen Bergwelt wird Langlois, von dessen Leben in einem vielstimmigen Bericht über die Zeiten hinweg und im Tonfall und der Tradition mündlicher Überlieferung erzählt wird, zur faszinierenden Gestalt. Seine Deutung aber überlässt uns Jean Giono.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.05.2019

Helmut Böttiger ist begeistert von Jean Gionos "zeitlosem" Roman. Das nie direkt thematisierte Schicksal der Hauptfigur des Offiziers Langlois, der im 19. Jahrhundert in der Region Trièves Mörder und Wölfe jagt, scheint ihm von existenzialistischer, archaischer Wucht. Faszinierend findet er den Text aufgrund seiner Schroffheit und seiner traumwandlerischen Atmosphäre. Dass es keine durchgängige Handlung gibt, stört Böttiger nicht, die Sprache ist ihm hier genug als Bedeutung schaffende Größe. Das Nachwort informiert den Rezensenten über den zeitgeschichtlichen Hintergrund des Textes, seine indirekten Bezüge zum Zweiten Weltkrieg und zur Kollaboration.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 05.02.2019

Wolfgang Schneider weiß, dass Jean Giono lange Zeit im Ruf eins politisch Suspekten stand, weil er sich nach dem Ersten Weltkrieg weigert, auch noch im Zweiten zu kämpfen. Umso erstaunlicher findet Schneider die "durchaus unpazifistische Gewaltfaszination", die aus diesem Roman von 1946 spricht, in dem der französische Autor die Geschichte eines Bergdorfs in den Westalpen erzählt, in dem ein Polizeioffizier erst auf Wolfs- und Menschenjagd geleichermaßen geht. Manchmal wird die Geschichte dem Rezensenten zwar zu ominös, aber die kraftvolle Sprache mach den Roman zu einer großen Lektüre, versichert Schneider, der vor allem die bürgerliche Welt aus "Ehrbarkeit und Camembert" treffend geschildert findet.   
Stichwörter