Jean Cayrol

Im Bereich einer Nacht

Roman
Cover: Im Bereich einer Nacht
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2011
ISBN 9783895611650
Gebunden, 254 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Paul Celan. Am Vorabend seines dreißigsten Geburtstags fährt François auf Wunsch seines Vaters von Paris an den Ort seiner Kindheit. Vom Bahnhof aus zu Fuß unterwegs wird er von der hereinbrechenden Nacht überrascht und verirrt sich. In einer Landschaft, die nichts Vertrautes mehr zu haben scheint, mehren sich die Vorzeichen von Tristesse und Verzweiflung: verlassene Häuser, Weggabelungen und beunruhigende Begegnungen mit Fremden. Dunkle Kindheitserinnerungen an den bedrohlichen Vater und den frühen Tod der Mutter mischen sich in die Erlebnisse der Nacht. Am Ende seiner Kräfte und seiner Reise findet François Zuflucht im Haus einer Familie, in dem es zu einer unerwarteten Konfrontation mit seinem Vater kommt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.08.2011

Ulrich Rüdenauer begrüßt enthusiastisch die Neuausgabe von Jean Cayrols 1954 im französischen Original erschienenen Roman "Im Bereich der Nacht". Paul Celan, der Anfang der 1960er Jahre die deutsche Übersetzung besorgte, entpuppt sich dabei als Geistesverwandter des bei uns fast vergessenen Autors. Mit ihm teilte er nicht nur das Schicksal des Holocaust-Überlebenden, sondern war ihm auch poetisch eng verwandt, wie der Rezensent betont. Im Roman reist der 30-jährige Francois zu seinem ungeliebten und gefürchteten Vater, verirrt sich im Wald und verstrickt sich in bedrückende Kindheitserinnerungen und alptraumhafte Begegnungen, erfahren wir. Rüdenauer stellt uns den 2005 gestorbenen Autor als Ahnherrn des Nouveau Roman vor, der in seinem Buch an Bunuel und Beckett erinnert. Dass es im Kontext der Shoah zu lesen ist, wie Ursula Hennigfeld in ihrem Nachwort betont, meint auch der Rezensent, der sich von der existentiell hoffnungslosen Grundstimmung des Romans hat tief beeindrucken lassen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.06.2011

Von weit her kommt dieser Roman von Jean Cayrol zu Jochen Schimmang. Und er bleibt dem Rezensenten fremd. Erstmals 1954 erschienen, später von Paul Celan übersetzt, ist das einzige, was der Text laut Schimmang wirklich sicherstellt, die Erfahrung der KZ-Haft seines Autors. Das existentialistisch gefärbte Milieu, in dem Cayrol seine Paraphrase auf die Parabel vom verlorenen Sohn auch stilistisch ansiedelt (mitunter erinnert es Schimmang an ein Thesenstück Sartres), findet beim Rezensenten wenig Anklang. Zu blass bleiben ihm die Figuren, zu wenig motiviert ihre Worte und Taten. Das Ergebnis ist Orientierungslosigkeit beim Leser.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.06.2011

Den hundertsten Geburtstag des KZ-Häftlings und Widerstandskämpfers Jean Cayrol nimmt Judith von Sternburg zum Anlass, den Mann als Schriftsteller (neu) kennenzulernen. Der von Paul Celan übertragene, erstmals 1954 erschienene Roman, für Sternburg eine etwas überkandidelte, symbolschwangere innere Reise zu den Wurzeln der Kindheit, zum Vater vor allem, erscheint ihr plastisch grotesk und deftig humorig zugleich in der Schilderung der Erlebnisse des Erzählers. So verwirrend diese auch sein mögen, Sternburg lässt sich nicht durcheinanderbringen und nimmt sie als Abbild der tatsächlichen Verhältnisse. Zusammen mit dem instruktiven Nachwort erscheint der Rezensentin der Band als eine Einladung zu einer (Wieder-)Entdeckung.
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