Jan Koneffke

Eine Liebe am Tiber

Roman
Cover: Eine Liebe am Tiber
DuMont Verlag, Köln 2004
ISBN 9783832178635
Gebunden, 315 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

"Eine Liebe am Tiber" ist ein tragikomischer Familien- und Liebesroman, der von einer deutschen Sehnsucht in groteskem Ausmaß erzählt, einer Sehnsucht nach Italien - nach der turbulenten Stadt am Tiber in den späten sechziger Jahren.
Ludwig Wieland, ehemaliger Lastenseglerpilot der Wehrmacht, trifft mit seiner Frau Elinor, den Kindern Lisa und Sebastian in Rom ein, um eine Lehrerstelle an der deutschen Schule anzutreten. Das hartnäckige Gerücht vom Mussolini-Befreier haftet ihm an. Von Politik aber will er nichts wissen, als klassischer Bildungsbürger dichtet er Sonette und sammelt antike Scherben. Mit seiner maßlosen Leidenschaft für antike Objekte ruiniert er zunehmend seine Existenz - und verliert seine Frau, 'Feelein' genannt, die zwischen dem anarchistischen Studenten Luca, dem zynischen Adeligen Frangipane und inmitten Roms bunter Boheme eine dramatische Liebe lebt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.12.2004

Die "gebieterische Wucht" von Jan Koneffkes neuem Roman hat Nicole Henneberg schier umgehauen. Enthusiastisch stellt sie die Geschichte um den 16-jährigen Sebastian vor, der mit seiner Familie in den 70er Jahren nach Rom übersiedelt und eine "unerträglich intensive Pubertät" sowie den Niedergang seiner ehemals so braven, westdeutschen Kleinstadtfamilie erlebt. Koneffke erzählt die erotischen Begegnungen des Jungen und die Familientragödie "stark und kontrastreich" und mit "fellinischen Figuren", versichert die entflammte Rezensentin, die sich weder am unglaubwürdigen Schluss noch an der bisweilen dick aufgetragenen Dramatik stört. Denn dieser Koneffke ist ein "gewandter Erzähler", dessen "wilde Geschichten" sich den "hektischen Bewegungen" der Stadt am Tiber unterworfen haben. Der Autor, ein Meister sowohl der grellen und grotesken, als auch der melancholischen und leisen Bilder, jubelt Nicole Henneberg, der es vor Wildheit und Tempo des Buchs ganz blümerant geworden ist.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.10.2004

Stefan Kister hat sich von Jan Koneffkes "Eine Liebe am Tiber" nicht recht überzeugen lassen. Das klinge ja alles sehr schön, räumt der Rezensent ein, da werde auch tief in die Wortschatzkiste gegriffen, um den Wohlklang mit allen erdenklichen Mitteln zu erzeugen, es werden gar Verben wie "kakeln" und "schaffutern" herausgefischt - aber die Geschichte des kauzigen "Musenmenschen" Ludwig Wieland überzeugt Kister dennoch nicht. Ludwigs Leidenschaften - Sonette dichten, Gambe spielen und Altertümer sammeln - findet er doch arg aus der Welt. Seine Frau ist dabei weniger unvital, sie stürzt sich ins süße Leben, pardon, ins dolce vita, findet dabei aber auch nicht mehr als ein trauriges Ende im Tiber. Der Rezensent jedenfalls sieht zu viel Pappmache und zu wenig Leben in dem Roman. Anstatt den Leser in die römische Realität zu entführen, so das trockene Urteil, "werden einem Fuhren voll funkelndem Tand vor die Füße gekippt."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2004

Angelika Overath stellt Jan Koneffke als Fachmann für "moderne Idyllen" vor, der "gefällige, heitere Geschichten" schreibt. Auch wenn in der Erzählung über den Romaufenthalt einer Familie diesmal Krieg und Liebesschmerz ins Spiel kommt, schaffe es Koneffke wieder einmal, aus der konfliktreichen Ausgangskonstellation ein "furioses, ein übermütiges, ein vielleicht versöhnliches Lesevergnügen" zu machen. Der Roman wird aus der Perspektive des Protagonisten Sebastian erzählt, mal aus der Sicht des Knaben während der für alle Familienmitglieder turbulenten Zeit in der ewigen Stadt der 68er Jahre, mal aus der Perspektive des Erwachsenen, der zurückblickt und "die Fäden aus der Gegenwart wie Angeln" in die Erinnerung wirft, so die Rezensentin. Dramaturgisch "souverän" spiele Koneffke mit der Zeit, durch die beziehungsreiche Parallelmontage der beiden Perspektiven gewinnt der Text eine "raffinierte zeitliche Tiefe und Simultaneität", lobt Overath. Was ihr nicht gefällt, sind die nachlässig eingesetzten Adjektive. Aber vielleicht, mutmaßt sie, liegt genau in diesen "lässlichen Sünden" das Erfolgsgeheimnis Koneffkes.