Jacques Le Goff, Nicolas Truong

Die Geschichte des Körpers im Mittelalter

Cover: Die Geschichte des Körpers im Mittelalter
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2007
ISBN 9783608940800
Gebunden, 230 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Renate Warttmann. Welche Stellung hatte der menschliche Körper in der mittelalterlichen Gesellschaft? Warum wird er einmal verurteilt, ein anderes Mal verehrt und glorifiziert? Jacques Le Goff gibt in dieser ersten Gesamtdarstellung zur Geschichte des Körpers im Mittelalter Antworten auf diese Fragen. Auf anschauliche Weise zeigt er, wie die Auffassungen von Körperlichkeit mit den Verhaltensnormen und Wertvorstellungen verknüpft waren.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.07.2007

Das Thema von Jacques Le Goffs "Geschichte des Körpers im Mittelalter" scheint Rezensent Christian Jostmann weder so neu noch so unbearbeitet wie der Autor des Buchs es vorgibt. Das nimmt er ihm aber nicht weiter übel, zumal er den essayistischen Stil Le Goffs durchaus zu schätzen weiß. Außerdem hat er auch Interessantes über den Körper im Mittelalter, über Kindheit und Alter, Frau und Sexualität, Medizin und Tod, Essen und Kleidung, Lachen und Tränen, Arbeit und Sport erfahren. Le Goffs Grundthese vom grundlegenden Widerspruch zwischen Leibfeindlichkeit und Körperbezogenheit im mittelalterlichen Weltbild hat ihn allerdings nicht wirklich überzeugt. Schließlich habe es schon in der Antike einen widersprüchlichen Umgang mit dem Körper gegeben. Außerdem habe die griechische Philosophie mit ihrem Leib-Seele-Dualismus die Basis für die spätere christliche Dichotomie gelegt. Und die These, die abendländische Kultur gründe "auf der symbolischen Ebene" in der mittelalterlichen Ambivalenz des Körpers bleibt zum Bedauern des Rezensenten "merkwürdig unerörtert".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.03.2007

Dankbar stellt Michael Borgolte diese "Körpergeschichte des Mittelalters" herkömmlicher Ideengeschichte zur Seite. Jacques Le Goffs Stil "zwischen Essay und Erzählung" und seine Bezugnahme auf deutsche Philosophen von Kant bis Horkheimer scheinen für den Rezensenten die fachwissenschaftlichen Defizite der Arbeit aufzuwiegen. Als "souverän" bezeichnet Borgolte Le Goffs Vorgabe vierer "Blickrichtungen" in die Überlieferung. In die vorgenommene Scheidung von mittelalterlichem und antikem Körper liest er sich ein und in die Auseinandersetzung darüber, was in Sachen Körperbegriff nun gelten soll: Die "Zäsur der Moderne" oder die "Nachhaltigkeit des Mittelalters". Nicht schlimm, wenn der Autor hier nicht zu einer klaren Entscheidung findet, der Rezensent fühlt sich entschädigt durch "assoziationsreiches Räsonnement und pointiertes Urteil". Borgolte erkennt in der "Explikation dieser These" eines möglichen Gegensatzes von Mittelalter und Moderne den Wert des Buches und macht sich seine eigenen Gedanken dazu.
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