Iwan Gontscharow

Oblomow

Roman in vier Teilen
Cover: Oblomow
Carl Hanser Verlag, München 2012
ISBN 9783446238749
Gebunden, 838 Seiten, 34,90 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen neu übersetzt von von Vera Bischitzky. Wenn einer weiß, was nötig ist, und es trotzdem nicht tut, dann leidet er an Oblomowerei. Gontscharows Meisterwerk ist heute zeitgemäßer denn je: Mit der Figur des lebensuntüchtigen Oblomow, der lieber seine Tagträume pflegt, als Ordnung in seinem Leben zu schaffen, hat Gontscharow eine prophetische Figur der modernen Welt geschaffen. Nicht nur in Politik und Wirtschaft ist das sprichwörtlich gewordene Laster zur Krankheit unserer Gegenwart geworden. Die Neuübersetzung des Klassikers aus Russland schafft den Witz, die Originalität, aber auch die tragische Tiefe von Oblomows Schicksal neu und ist dabei provozierender als mancher Gegenwartsroman.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.06.2012

Lothar Müller kitzelt in seiner Rezension das Unkomische, Unmelancholische, das ganz und gar Abgründige dieser Figur, dieses Helden der Untätigkeit, heraus. Zwar rät er dem Leser, etwa zur sagenhaften Liebesgeschichte zwischen Oblomow und Olga schön Bellini zu hören. Doch die Kunst, mit der Iwan Gontscharow seine Gestalt über die Langeweile nach der dunklen Seite hin aufschließt, flößt ihm noch mehr Respekt ein. Einen Vorläufer der späteren Beckett-Helden meint er in Oblomow zu erkennen. Sodann zur Neuübertragung: Dankbar zeigt sich Müller, ja sogar überzeugt von der Lebendigkeit und Stilsicherheit Vera Bischitzkys und ihren nützlichen Anmerkungen. Nur geht ihm die Übersetzerin mitunter zu weit, wenn sie ältere Übersetzungen regelrecht hinrichtet, wie Müller erklärt. Reinhold von Walters Oblomow von 1925 jedenfalls möchte der Rezensent gerne auch weiterhin gelten lassen. Die Aufträge für die Neuübersetzung und für das Nachwort, rät Müller schließlich, seien doch des möglichen höheren Niveaus wegen bitte getrennt zu vergeben, nicht als Rundum-Sorglos-Paket. Dieses Nachwort, da ist Müller sich sicher, unterschreitet die Qualität der Übertragung leider deutlich.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2012

Bereits acht Mal wurde Iwan Gontscharows 1859 erschienener Welterfolg "Oblomow" ins Deutsche übertragen, weiß Rezensent Andreas Platthaus. So leichthändig, treffend und "poetisch" wie die nun erschienene Neuübersetzung von Vera Bischitzky, die sich bereits mit zahlreichen Übersetzungen russischer Hauptwerke einen Namen machte, sei allerdings bisher keine Übertragung ins Deutsche gelungen, so der Kritiker. Auch wenn er einige sprachliche Ungenauigkeiten auszusetzen hat, lobt er Bischitzkys Leitprinzip der "Entschlackung", welches ihn die virtuose Sprache Gontscharows nacherleben lässt. Und so taucht der Rezensent ganz angetan in das zaristische Russland und begleitet Gontscharows Antihelden und Gutsbesitzer Ilja Iljitsch Oblomow, der - charakteristisch für ein Russland, das angesichts der Herausforderungen der Moderne und Weltpolitik in Passivität verharrte - vor allem durch Ängstlichkeit und Erstarrung gekennzeichnet ist. Ein wunderbarer Roman, lobt der Kritiker, der nach der Lektüre der 750 Seiten am liebsten sofort von vorn beginnen würde.
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