Ivan Ivanij

Die Tänzerin und der Krieg

Roman
Cover: Die Tänzerin und der Krieg
Picus Verlag, Wien 2002
ISBN 9783854524564
Gebunden, 282 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Ivan Ivanjis neuer Roman ist ein Tanz über Höhen und Abgründe des 20. Jahrhunderts. Vor dem Hintergrund der wechselvollen Geschichte Jugoslawiens, vom Zweiten Weltkrieg bis zum Krieg auf dem Balkan, entwirft Ivan Ivanji das berührende Porträt des serbischen Mädchens Daria, das zu einer großen Tänzerin wird, deren Karriere im kommunistischen Waisenhaus beginnt und sie quer durch Europa und bis nach New York führt. Dabei verknüpft Ivanji die Biografie seiner Protagonistin gekonnt mit dem Schicksal ihres Landes: die Jugend im hoffnungsvollen Nachkriegsjugoslawien Titos...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.11.2003

Der aus dem ehemaligen Jugoslawien stammende Autor hat sich nicht abschrecken lassen, wundert sich Jörg Plath mehr als dass es ihn zu begeistern scheint, anhand einer fiktiven exemplarischen Biografie die Geschichte seines Landes zu spiegeln. Ivanji erzählt vom Schicksal einer Tänzerin, die als Tochter eines getöteten Partisanen, ein Waisen- und Hätschelkind zugleich von Titos Nachkriegsregime, in der sozialistischen Kastengesellschaft Jugoslawiens Karriere macht. Sobald Ivanji, der als Übersetzer für Tito gearbeitet und das Innenleben der Republik gut gekannt haben muss, von den Genossen und ihren Eskapaden im "Jugokommunismus" erzählt, werde Ivanjis Kenntnisreichtum, sein "joviales Behagen" an diesen alten Geschichten spürbar, merkt Plath an, wohingegen die fiktive Figur der Tänzerin umso blasser erscheine. Historie und Fiktion verlaufen quasi unverbunden nebeneinander, stellt Plath fest. Je mehr der Roman auf sein Ende und die Zeit des Milosevic- Regimes zusteuert, desto hilfloser agiert seines Erachtens der Autor. Die Protagonisten wirken am Ende nur noch wie Marionetten in einer Tragödie, kritisiert Plath, gegen die sie nicht ankönnten. Milosevic sprengt, kommt Plath zu dem Schluss, die Parallelität von Biografie und Geschichte. Und eine Reflexion der Tito-Zeit, die mehr bietet als Anekdoten, steht seines Erachtens auch noch aus.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.05.2002

Ziemlich daneben findet der Rezensent mit dem Kürzel "czz." die Art und Weise, wie Ivan Ivanji die jugoslawische Geschichte der zweiten Hälfte des 20.Jahrhundert aufarbeitet: anhand einer semidokumentarische Biografie einer Tänzerin, die wiederum auf der Lebensgeschichte seiner Frau basiert. Ivanjis Fixierung auf die Welt der Tänzer wirkt in den Augen von "czz." "einigermaßen deplaciert, ja geradezu albern" und de Rezensent vermutet, dass "sich dieses Buch hinter dem Paravent der persönlichen Würdigung versteckt, um nichts und niemanden ernstlich belangen zu müssen". Als Motivation für diesen Ansatz vermutet der Rezensent, dass der Autor sich "von der Schreckensliteratur seiner ex-jugoslawischen Schriftstellerkollegen distanzieren will". Dabei ist jedoch nicht viel mehr herausgekommen als "rosa Zuckerwatte", der auf "den Geisteshorizont einer Ballettratte" schließen lässt, so das wenig schmeichelhafte Fazit der kurzen Rezension.
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