Ivan Franko

Sonette

Cover: Sonette
Thelem Verlag, Dresden 2024
ISBN 9783959087384
Kartoniert, 166 Seiten, 24,80 EUR

Klappentext

Aus dem Ukrainischen von Christine Fischer. "Das Dorf in weiter Flur war winzig klein, / der Flusslauf rauschte sanft... im Kreis der Bauern / bewohnte ich mein sehr bescheidnes Heim, / und mit mir lebten Einsamkeit und Trauer." Als "Adler mit gebrochenen Flügeln" wurde Ivan Franko, der zusammen mit Taras Schewtschenko und Lesja Ukrajinka zu den bedeutendsten Autoren der Ukraine gehört, von einem befreundeten Dichter charakterisiert. In seinem umfangreichen Werk, das neben literarischen Texten fast aller Genres auch zahlreiche wissenschaftliche und publizistische Arbeiten umfasst, kommt den Gedichten besondere Bedeutung zu. Gewissermaßen die Essenz seiner Lyrik stellen die Sonette dar, die Franko von Jugend an geschrieben hat, wobei ihm das strenge Kompositionsschema des Petrarca-Sonetts Herausforderung und Faszination zugleich bedeutet. Nicht zuletzt aufgrund des gesellschaftskritischen Anspruchs seines Dichtungskonzepts setzt er in der europäischen Sonettistik neue und eigene Akzente: Im Mittelpunkt steht bei ihm weniger das individuelle als vielmehr das kollektive Leid, die Anprangerung dessen, was Menschen einander anzutun imstande sind. Dennoch finden sich unter Frankos Sonetten auch sensible Natur- und Liebesgedichte, die sich keiner Literaturepoche eindeutig zuordnen lassen. So tritt seine unverwechselbare lyrische Stimme umso hörbarer gerade in ihrer Vereinzelung hervor. Im vorliegenden Band werden rund 60 Sonette, die meisten von ihnen erstmals in deutscher Übersetzung, präsentiert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.01.2025

Eine hervorragende Veröffentlichung ist diese Edition von Gedichten des ukrainischen Autors Ivan Franko laut Rezensent Ulrich M. Schmid. Die Dichtkunst Frankos bewegt sich Schmid zufolge in einem Spannungsfeld zwischen volkstümlicher Zugänglichkeit - er selbst stellte sein Werk stets in den Dienst des ukrainischen Nationalismus und dem Streben nach Unabhängigkeit von der Monarchie Österreich-Ungarns - und einer Orientierung an den internationalen Avantgarden der Zeit. Ganz besonders gelungen ist Christine Fischers Übersetzung der Texte, lobt Schmid, sowohl die innovativen sprachlichen Qualitäten der nur auf den ersten Blick an die Klischees des Fin de Siècle erinnernden Verse als auch die polemischen Spitzen Frankos kommen für ihn in dieser "übersetzerischen Meisterleistung" perfekt zur Geltung.
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