Unsicherheit, Missstände, düstere Prognosen - Dystopien prägen unsere Zeit und liegen in Literatur und Popkultur im Trend. Doch viele dieser Geschichten beleuchten auch, wie Menschen inmitten von Katastrophen den Mut finden, sich für Gerechtigkeit einzusetzen und Veränderung aktiv zu gestalten. Solche Erzählungen gehen über klassische Dystopien hinaus und entwickeln sich zu Anti-Dystopien. Anhand ausgewählter Werke definiert Isabella Hermann in diesem Buch die Anti-Dystopie als eigenes Genre, das sich gegen die Diagnose gesellschaftlicher Hoffnungslosigkeit stellt. Anders als Utopien eröffnen Anti-Dystopien dabei keine perfekten und unerreichbaren Zukünfte, sondern geben aus der Krise heraus Impulse für reale gesellschaftliche Veränderungen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.06.2025
Interessant mit Einschränkungen findet Rezenensentin Karin Janker Isabella Hermanns Buch: Die Autorin beschäftigt sich darin mit zeitgenössischer Science-Fiction-Literatur, in der sie, beschreibt Janker, erstaunlich viele hoffnungsvolle Motive vorfindet. Interessant ist das, rekonstruiert Janker Hermann, weil diese Bücher darauf setzen, dass sich im Angesicht der derzeit allseitig anwachsenden Bedrohung, Möglichkeitsräume öffnen, hin auf eine bessere Zukunft, die in der analysierten Literatur notwendig unperfekt bleibt. Unter anderem setzt sie sich, erfahren wir, mit Kim Stanley Robinsons "Ministerium für die Zukunft" auseinander, wobei sie sich grundsätzlich mehr für inhaltliche Motive und auch die Intentionen der Autoren interessiert als für die strukturellen Aspekte von Literatur. Hermann ist eben, erläutert Janker, Politologin und nicht Literaturwissenschaftlerin, was auch dazu führt, dass sie nicht die Frage stellt, ob die in sich geschlossene Form populärer Literatur die sich öffnenden Räume des Möglichen gleich wieder verengt. Dennoch bietet das Buch in schweren Zeiten interessante Perspektiven für die Geisteswissenschaft, schließt die insgesamt positive Rezension.
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