Isabel Allende

Mein erfundenes Land

Cover: Mein erfundenes Land
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783518418307
Gebunden, 205 Seiten, 16,80 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Svenja Becker. Ihre früheste Erinnerung an Chile ist die an ein Haus, das sie nie gesehen hat: das "große Eckhaus", in dem ihre Mutter geboren wurde und von dem ihr Großvater so oft erzählte, daß ihr ist, als hätte sie darin gelebt. Es spielt die Hauptrolle in ihrem Roman "Das Geisterhaus". Und es begegnet uns wieder zu Beginn dieses Erinnerungsbuches, das uns mitten hineinführt in die Welt der Geschichtenerzählerin. Doch wer ein Schicksal wie das ihre hat, dem wird das Heimweh zum vertrauten Begleiter, und so erzählt sie von ihrem Land, das sie liebt und vermisst, dem sie sich dennoch nie ganz zugehörig fühlen konnte, schon vor dem Militärputsch am 11. September 1973, der sie schließlich ins Exil trieb. Vor der Kulisse der grandiosen Landschaften am Ende der Welt erzählt sie vom Stolz, von der Großzügigkeit und Borniertheit ihrer Landsleute, von aufgeplusterten Machos und unermüdlichen Frauen - kurz, von dem, was ihr Heimatland für sie liebenswert und unerträglich macht, von seiner gewaltsamen Geschichte und auch davon, was es heißt, als eine waschechte Hispanic in den USA ein neues Zuhause zu finden. Ein Zuhause, das auf keiner Landkarte verzeichnet ist, denn: "Ich kann fast überall leben und schreiben. Jedes Buch trägt etwas bei zu diesem 'Ort in meinem Kopf', wie meine Enkel ihn nennen. In der langsamen Übung des Schreibens habe ich mit meinen Dämonen und Obsessionen gerungen, habe die Winkel der Erinnerung erforscht, Geschichten und Gestalten dem Vergessen entrissen, mir anderer Leute Leben gestohlen, und aus all diesen Rohstoffen habe ich einen Ort gebaut, den ich meine Heimat nenne. Dort komme ich her."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.11.2006

Jens-Christian Rabe gibt zu, sich für das Leben von Schriftstellern durchaus zu interessieren und registriert daher mit Freude, dass die chilenische Autorin Isabel Allende mit Details nicht spart. Komik und Lakonik halten sich nach Ansicht Rabes in den Erinnerungen die Waage, amüsante Erlebnisse bei Recherchearbeiten in Pornoläden kommen genauso zur Sprache wie schmerzliche Erinnerungen an den Tod der Tochter. Also eine gelungene Mixtur aus "Homestory, Werkstattbericht und Selbstvergewisserung", lobt der Rezensent, dem dieser beherzte Zugriff auf die eigene Biografie insgesamt gut gefällt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.09.2006

Die Erfolgsautorin, Journalistin und Exilantin Isabel Allende geht in diesem persönlich gehaltenen Buch der Frage nach, inwiefern Chile, nach Jahren freiwilliger und erzwungener Abwesenheit, eigentlich ihre Heimat ist, so Rezensent Walter Haubrich, der dem Anliegen grundsätzlich wohlgesonnen gegenübersteht. Aus der Erinnerung rekonstruiert Allende ihr Land sowie verdrängte Ereignisse aus ihrer Vergangenheit, die von der Pinochet-Diktatur nicht zu trennen ist. Den 11.September 1973, als das Militär in Chile die Macht an sich riss, beschreibt sie als einen "ebenfalls terroristischen Akt", der eine "grausige Koinzidenz" zum 11. September 2001 aufweist. Auf Umwegen, über die Geschichte, die Herkunft der Einwohner und die eigentümliche Geografie Chiles nähert sich Allende der Gegenwart und ihrer persönlichen Biografie. Ein locker geschriebenes, kenntnisreiches und unterhaltsames Buch, und das nicht nur für Allende-Fans, schließt Haubrich.
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