Isabel Allende

Mayas Tagebuch

Roman
Cover: Mayas Tagebuch
Suhrkamp Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783518422878
Gebunden, 447 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Svenja Becker. Die Handlung spielt in der Gegenwart - im Jahr 2009 -, im Mittelpunkt steht die neunzehnjährige Amerikanerin Maya Vidal, die bei ihren Großeltern in Berkeley aufgewachsen ist. Als Maya sechzehn ist, stirbt ihr Großvater, den sie sehr liebt, und ihre Großmutter stürzt in eine tiefe Depression. Bis dahin war Maya ein behütetes Kind, gesund, sportlich, gut in der Schule, doch in ihrer Trauer gerät sie in verhängnisvolle Kreise, nimmt Drogen und trinkt und wird straffällig. Nach einer für sie schrecklichen Erfahrung landet sie in Las Vegas, wo sie in ein Verbrechen verwickelt wird und vor Killern aus dem Drogenmilieu und vor der Polizei fliehen muss. Ihre chilenische Großmutter eilt ihr gerade noch rechtzeitig zu Hilfe. Um sie aus der Schusslinie zu bringen, schickt sie Maya auf eine kleine Insel im Süden Chiles, nach Chiloé.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.09.2012

Die Themen, die Isabel Allende in "Mayas Tagebuch" aufgreift, hätten gleich für mehrere Romane gereicht, meint Sabine Rohlf. Die Rezensentin umreißt die Handlung so: Die neunzehnjährige Maya Vidal schreibt auf einer Insel ein Tagebuch über ihre Drogenexperimente, ihren Entzug und den Rückfall, und über eine Vergewaltigung, die sie in die Prostitution nach Las Vegas und in die Geldwäsche trieb. Verfolgt von Kriminellen und vom FBI entging sie knapp dem Drogentod. Die Insel, auf die Maya von ihren Großeltern geschickt wurde, ist zwar nicht unbedingt idyllisch, findet Rohlf, aber Chiloé sei trotzdem im harten Kontrast zu den Abgründen Las Vegas' konstruiert - genauso wie die Erinnerungen an ihre Großeltern. Dem Großvater helfe sie dann auch, mit seinem Trauma aus Diktaturtagen fertig zu werden. Ein wenig fragt sich die Rezensentin, warum Allende selbst dieser Protagonistin ein "watteweiches Happy End" zugesteht, schließlich habe die Autorin selbst eine Schwiegertochter an die Drogen verloren. Rohlf vermutet dahinter wohlwollend ein "narratives Aufbegehren", kalkuliertes Profitinteresse habe Allende jedenfalls schon länger nicht mehr nötig.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.08.2012

Isabel Allende gelingt der Sprung vom magischen zu einem eher schmutzigen Realismus leider nicht wirklich, findet Rezensent Florian Borchmeyer. In ihrem Roman "Mayas Tagebuch" beschreibe die Autorin ein Neunzehnjährige, die es aus der Idylle der großelterlichen Villa in Berkeley zuerst in ein Resozialisierungsinternat verschlägt und die anschließend, nach ihrer Flucht, in die Drogensümpfe von Las Vegas abrutscht. Läuterung erfahre sie erst durch ihre Rückwendung zu den Wurzeln ihrer Familie in Chile - zu heidnischer Mythologie und Naturmagie. Der Rezensent ist aus mehreren Gründen unglücklich: trotz der "bemühten Drastik" wirke der Schrecken des verlotterten Las Vegas zu zaghaft, das kontrastierend urwüchsige Chile hingegen konstruiert. Durch das ganze Buch ziehe sich außerdem eine moralinsaure Ader, bedauert Borchmeyer, ein "angestrengt aufklärerischer Geist".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.08.2012

Der Suhrkamp Verlag versuche wohl, die "idealtypische Allende-Leserin" nicht zu verschecken, erklärt sich Ralph Hammerthaler die Aufmachung von Isabel Allendes neuem Roman "Mayas Tagebuch" und macht sich über die "Gefühle mit Ausrufezeichen" auf dem Cover lustig. In dem Buch schlüpfe Allende in die Rolle einer Neunzehnjährigen, die schon auf der Highschool in Berkeley in die Kriminalität abrutscht: zunächst nur mit leichten Drogen und Alkohol, später indem sie Pädophile ködert und ausraubt. Nach der Flucht aus dem Internat trampt Maya nach Las Vegas - nicht ohne auf dem Weg brutal vergewaltigt zu werden. Der Rezensent beschreibt kurz, wie sie dort als Kurier für ein paar Gangster Karriere macht, aber erneut fliehen muss, diesmal verfolgt von Polizei und FBI. Vermischt werde ihre Laufbahn als Kriminelle mit Sequenzen auf den Inseln Chiloés, wo Maya dank ihrer Großmutter schließlich landet, um auf den rechten Weg zu kommen. Dort schreibe sie dann auch das Tagebuch, gewissermaßen um das Erlebte zu verarbeiten. Hammerthaler bedauert, dass Allende sich nicht von dem von ihr erwarteten magischen Beiwerk lösen möchte und schimpft über den quasi-therapeutischen Diskurs, der plötzlich eingeführt wird, als Maya ihren wahren Großvater trifft und ihm über sein Trauma der Pinochet-Zeit hinweghelfen möchte.
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