Almudena Grandes

Der Feind meines Vaters

Roman
Cover: Der Feind meines Vaters
Carl Hanser Verlag, München 2012
ISBN 9783446241251
Gebunden, 400 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Roberto de Hollanda. Nino, das Kind eines Polizisten der Guardia Civil, ist neun und lebt in einem Dorf in Andalusien. Im Sommer 1947 lernt er den geheimnisvollen Pepe kennen, der sein Freund und Vorbild wird. Mit ihm entdeckt er seine Leidenschaft für die Abenteuerromane von Jules Verne. Doch was hat Pepe mit dem Freischärler Cencerro zu tun, der in den Bergen gegen die Franco-Diktatur kämpft? Nino gerät mehr und mehr selbst in ein Abenteuer und muss sich entscheiden, auf wessen Seite er steht. Almudena Grandes, "eine der besten Autorinnen unserer Zeit" (Mario Vargas Llosa), erzählt die Geschichte einer gefährlichen Freundschaft, die stärker ist als die Liebe.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.07.2013

Spanien tut sich mit der Aufarbeitung des Franco-Regimes und der Widerstandskämpfe noch immer schwer, weiß Ralph Hammerthaler, "von der Politik ist vorläufig nichts zu erwarten", glaubt er, die Literatur ist da schon vielversprechender. Almudena Grandes reiht sich mit ihrem Roman "Der Feind meines Vaters" ein in die Menge hervorragender Bücher über die Diktatur, die seit den Neunzigern erschienen sind, lobt der Rezensent. Sie erzählt die Geschichte eines kleinen Jungen, Nino, dessen Vater bei der Militärpolizei arbeitet, der aber, inspiriert vor allem durch die Bücher Jules Vernes, die Geschehnisse im Dorf zu deuten lernt und zunehmend eine Bewunderung für die Widerstandskämpfer ausbildet, fasst Hammerthaler zusammen. Grandes unterläuft aber jede Schwarzweiß-Deutung, verrät der Rezensent, Ninos Vater stammt aus einer "roten Familie" und schloss sich nur der Guardia Civil an, um seine Familie zu schützen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.06.2013

Das kitschige moralisierende Ende möchte Albrecht Buschmann am liebsten vergessen. Abgesehen davon allerdings gefällt ihm Almudena Grandes' Roman, der die Schrecken der Franco-Zeit aus der Perspektive eines Kindes in einem andalusischen Bergdorf erkundet, recht gut. Das Buch liest der Rezensent als zweifache Bildungsgeschichte: Reift der Junge durch Freundschaft, Liebe und Bildung zum Mann, erfährt der bildungshungrige Leser über die Repression in Spanien Ende der 1940er Jahre und hört die Stimmen der zum Schweigen verdammten Opfer. Auf ein, zwei allzu lebenskluge Äußerungen des kindlichen Erzählers hätte der Autor laut Rezensent allerdings besser verzichtet und, wie gesagt, auf das Pathos am Ende.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.02.2013

Mit viel Lob bespricht Rezensentin Fatma Aydemir Almudena Grandes' neuen Roman "Der Feind meines Vaters". Der Autorin gebühre größte Anerkennung für ihren Mut, einmal mehr ein historisches Thema aufzugreifen, das bis heute in Spanien totgeschwiegen werde, meint die Kritikerin. Sie folgt hier dem neunjährigen Nino, der acht Jahre nach dem offiziellen Ende des Spanischen Bürgerkriegs im Jahre 1947 in einem kleinen andalusischen Dorf die Säuberungsaktionen des Franco-Regimes hautnah miterlebt. In "scharfsinnigen Beobachtungen" schildere Grandes nicht nur, wie der kleine Junge den eigenen Vater, einen Beamten der Guardia Civil, als Mörder wahrnehme, sondern auch, wie es im zwiegespaltenen, faschistischen Spanien möglich gewesen sei, dennoch Widerstand zu leisten. So lasse Grandes ihren jungen Protagonisten auf den Regimegegner Pepe treffen, der sein politisches Bewusstsein nachhaltig prägt. Diesen gefühlvollen und bewegenden Roman kann die Kritikerin nur unbedingt empfehlen.
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