Aus dem Amerikanischen von Christa Schuenke. Ein gewöhnlicher Abend an der New Yorker Upper West Side: Freunde und Verwandte, allesamt Überlebende des Holocaust, debattieren über Gott und die Welt. Doch an diesem Abend nimmt das Schicksal von Anna Makaver und Hertz Grein, dem einstigen Talmudgelehrten und derzeitigen Börsenmakler, eine entscheidende Wendung: Beide verlassen ihre alten Partner und wollen in Florida ein neues Leben beginnen. Doch die Schatten der Vergangenheit holen sie ein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.01.2001
Susanne Klingensteins Besprechung des zwischen 1957 und 1958 entstandenen Romans, der allerdings auf jiddisch nie in Buchform erschien, erst 1998 ins Amerikanische übersetzt wurde und nun auf Deutsch vorliegt, ist zwiespältig. Stilistisch sei dieser Roman, der das New Yorker Exilleben osteuropäischer Juden zum Thema hat, "reizlos", so die Rezensentin und sie vermisst die sonst so reiche Sprache des Autors. Doch verstehe es Singer meisterhaft, die Orientierungslosigkeit der Exilanten darzustellen und es werde der Moment beschrieben, in dem eine "Kultur versucht, ihren Weg aus einer erstarrten Tradition in die Moderne" zu finden, so die Rezensentin begeistert. Die deutsche Übersetzung bekommt viel Lob von Klingenstein. Sie stelle im Gegensatz zur amerikanischen Übersetzung die "ostjüdische Atmosphäre" wieder her und treffe mit ihren vielen jiddischen Ausdrücken "oft ins Schwarze", was dem "erstaunlichen Sprachgefühl" der Übersetzerin zu danken sei. Einige vermeidbare "stilistische Fehler" hat die Rezensentin aber dennoch entdeckt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.09.2000
Katharina Raabe hält diesen Roman neben "Familie Moschkat" für Singers bedeutendestes Buch: "wie ein Zentralgestirn" verhalte sich dieser umfangreiche Roman zu den nachfolgenden Satellitenbüchern, die das "opus magnum", so Raabe, bloß umkreisten und dabei flacher, kolportagehafter wirkten. Formal sei "Schatten über dem Hudson" keineswegs gelungen, da dieses Buch genau wie die anderen als Fortsetzungsroman in einer jiddischsprachigen Zeitschrift erschienen ist. Aber es verfüge über ein unverwechselbares Figurenarsenal, schwärmt Raabe; ihr erscheinen die Protagonisten wie den Bildern Max Ernsts oder James Ensors entstiegen: grell, schräg, witzig. Ausgestattet seien sie mit einer unverwechselbaren Stimme, die auch dank der hervorragenden Übersetzung im Deutschen nichts eingebüßt hätte. Angesiedelt ist die Geschichte kurz nach 1945 in der jüdischen Emigrantenszene New Yorks, für die sich der Schatten über dem Hudson, schreibt Raabe, als der lange Schatten von Auschwitz erweist.
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