Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer. Die junge Colette und der um viele Jahre ältere Jean leben nach ihrer Hochzeit zurückgezogen in Moulin-Neuf im Herzen der französischen Provinz. Es scheint, als wollten sie dem stillen Glück von Colettes Eltern nacheifern. Selbst der alte, desillusionierte Vetter Silvio, der schon am Hochzeitsabend im Bräutigam den gehörnten Ehemann sieht, beginnt zu glauben: Dieses Paar bleibt verschont, sein Glück wird nicht von jäh aufbrechender wilder Leidenschaft zerstört. Doch Colette hütet ein Geheimnis. Auch sie ist dem Verlangen und der Leidenschaft für einen anderen erlegen. Erst als Jean unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt, erwacht Colette aus dem Sinnesrausch und versinkt in Scham und Verzweiflung. Nachdem die Wahrheit über Jeans Tod ans Licht kommt, bricht auch die Lebenslüge ihrer Eltern auf.
Als makelloses Sittenbild der französischen Provinz nach dem Ersten Weltkrieg hat dieses Buch Rezensentin Tanya Lieske begeistert. Drei Jahre verstreichen in diesem ebenso ungewöhnlichen, wie vorzüglich komponierten Roman, ohne dass man es merke, schreibt sie über diesen letzten Roman von Irene Nemirovsky, der nun verspätet als deutsche Erstausgabe vorliegt. Besonders bewundert die Kritikerin die "fast unheimliche" Fähigkeit Nemirovskys, sich in die beschriebene ländliche Umgebung einzufinden, samt des sie bevölkernden Personals mit seinen "kruden" Dialogen. Bei aller Raffinesse wirke der Roman, der dem russischen 19. Jahrhundert ebenso wie dem französischen 20. Jahrhundert verpflichtet sei, dennoch auf angenehme Weise altmodisch, schreibt Lieske. Auch Eva Moldenhauers Übersetzung wird gelobt für die Bewahrung des gespreizten Tons französischer Salonkonversation.
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