Aus dem Griechischen von Michaela Prinzinger. Dimitris Avgustis fährt seit sechzig Jahren zur See. Die Weltmeere kennt er in- und auswendig, und um seine Mannschaft zu befehligen, genügt ein strenger Blick. Das Meer hält ihn gefangen: Seit mehr als zwölf Jahren hat er kein Land mehr betreten, und trotz seines Alters weigert er sich beharrlich, das Kommando über das Schiff abzugeben. Als eines Tages seine Frau überraschend an Bord kommt, um ihren Mann nach Hause zu holen, macht sie eine bestürzende Entdeckung, die beider Leben von Grund auf verändern wird.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.02.2010
Nein, eine Odyssee im klassischen Sinne bekommt Sibylle Kramer hier nicht zu lesen. Was die als Cartoonistin, Drehbuchautorin und Journalistin bekannte Joanna Karystiani in ihrem Roman verhandelt, ist laut Kramer im weiteren Sinne eine Innenansicht der griechischen Gesellschaft mit ihren Traditionen und Autoritäten, im engeren Kreis der Handlung eine Beschreibung der "Fliehkräfte, die das Leben in der Familie auslöst". Es geht also um die Ehe, stellt Kramer fest, und um eine durch sie ausgelöste etwas andere Odyssee. Ein Schiff und sein Innenleben werden tragende Figur. Und obgleich die Autorin, wie Kramer bemerkt, sich weder um die Natur des Meeres noch um das Abenteuer des Fremden groß schert, findet die Rezensentin genug, um das Buch zu mögen: Bravouröse Frauenbilder, ein Blick für die mythischen Strukturen des Lebens und die Verve der Autorin, mit der sie gegen archaische Lebensverhältnisse anschreibt.
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