Jannis Ritsos

Die Umkehrbilder des Schweigens

Gedichte. Griechisch und deutsch
Cover: Die Umkehrbilder des Schweigens
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783518412954
Gebunden, 140 Seiten, 19,43 EUR

Klappentext

Aus dem Griechischen übertragen und mit einem Nachwort versehen von Klaus-Peter Wedekind. Ritsos' Gedichtzyklus, eine Art literarisches Testament, das 1986 und 1987 entstand, wurde erst nach dem Tod des Autors veröffentlicht. In den achtundsechzig Gedichten dieses Gedankentagebuchs eines letzten strahlenden Ägäissommers unterzieht Jannis Ritsos (1909-1990) die tragenden Ideen seines literarischen und politischen Lebens einer illusionslosen Prüfung. Sie wird im Zeichen des nahe bevorstehenden Endes vollzogen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.07.2002

Jannis Ritsos, 1990 mit 81 Jahren an Krebs verstorben, galt in ganz Europa "als Inbegriff des politischen Dichters" - nicht zuletzt, weil Mikis Theodorakis viele seiner Gedichte vertonte, weiß Hugo Dittberner. 1987 hatte der Dichter und Künstler von seiner Krebserkrankung erfahren und nutzte fortan jeden Tag, "im Bewusstsein des Abschieds", um ein bis drei Gedichte zu schreiben, berichtet der Rezensent. Klaus Dieter Wedekind hat diese Gedichte nun in einer "sehr schönen" und "schlanken" Übersetzung zweisprachig veröffentlicht und mit einem "aufschlussreichen" Nachwort versehen, lobt Dittberner den Herausgeber und Übersetzer. Aber auch die Gedichte selbst haben den Rezensenten zutiefst bewegt. Ritsos "letztes Projekt" sei eine "ungemein dichte, bewegende und letztlich erhebende Folge" von Gedichten, in denen der Autor "die Schönheit der kleinen Dinge und des Selbstverständlichen" würdige. Diese Gedichte sind, denkt der Rezensent, ein Abschied von und ein Vermächtnis für eine Welt, die Ritsos selbst verlassen musste.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.01.2002

Benedikt Erenz hält den griechischen Dichter Jannis Ritsos für "einen der besten europäischen Lyriker des 20. Jahrhunderts" und findet sich durch die Lektüre dieser Gedichte in seiner Einschätzung mehr als bestätigt. Das Einzige, was ihm nicht gefällt, ist der Titel des Werks, der für ihn nichts erklärt, sondern nach verstaubten 50er-Jahren klinge und so gar nicht zu dem Inhalt des Buchs passe. Erenz schwärmt so von dem Werk, dass er Ritsos am Liebsten selbst sprechen lässt: Seine Besprechung besteht zu nicht unwesentlichen Teilen aus Gedicht-Zitaten. Bei aller Vieldeutigkeit sei diese Lyrik ganz einfach und zugleich "seltsam unbestimmt". Das sei Programm, denn "alle Gewissheit sei des Todes und nur das Unerklärbare lebendig", liest der Rezensent aus den angesichts des Todes verfassten Zeilen des krebskranken Autors. Dieser Dichter, der als kommunistischer Widerstandskämpfer und KZ-Überlebender lange zum Antifa-Helden stilisiert worden sei, werde seit Anfang der 1990er Jahre endlich auch als großer Lyriker gewürdigt, meint Erenz zufrieden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.10.2001

Albert von Schirnding findet es beschämend, dass nur ein Bruchteil des Werks von Jannis Ritsos, der von Aragon einst "le plus grand poète vivant" genannt wurde, in deutscher Sprache erschienen ist. Um so mehr begrüßt er es, dass die 1991 postum erschienen "Umkehrbilder des Schweigens" nun auch deutschen Lyrikliebhabern zugänglich sind. Dieses Werk, erklärt er, sei das im Angesicht des Todes verfasste lyrische Testament dieses großen Poeten. Ritsos habe in den alltäglichen Dingen des Lebens den Gegenstand seiner Lyrik gesehen, im über die Brücke fahrenden Fuhrwerk mit Melonen oder in Badehandtüchern und Sandalen, die an den verflossenen Sommer erinnern, führt er aus. Der jüngst erschienene Zyklus beschreibe aber auch sein Verhältnis zu seiner politischen Vergangenheit, das von Desillusionierung, Vergeblichkeit, Trauer, aber doch letzten Endes auch von Zustimmung geprägt gewesen sei, verrät von Schirnding. Die Zweisprachigkeit der deutschen Ausgabe, fügt er abschließend an, sei fast überflüssig, denn der Wortlaut könne nahezu ohne Reibungsverlust ins Deutsche übertragen werden, was dem Übersetzer Klaus-Peter Wedekind offensichtlich gelungen zu sein scheint.
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