Christian Lehnert

Windzüge

Gedichte
Cover: Windzüge
Suhrkamp Verlag, Berlin 2015
ISBN 9783518424698
Gebunden, 18 Seiten, 113 EUR

Klappentext

In der kompakten Form acht- und zwölfzeiliger Gedichte hatte Christian Lehnert seine "Pneumatologie" einer spirituellen Naturerfahrung zuletzt verdichtet (Aufkommender Atem, 2011), und mit derselben Form setzt er in seinem neuen, sechsten Gedichtband wieder an. Konsequent aber wächst die Form diesmal gegen die minimalistische Verdichtung auf, über Sonette hin zu dynamischen Zeilen und Strophen voll hexametrischer Rhythmen. Die Weitung der Form bedeutet zugleich eine Annäherung an größere Formationen der Wirklichkeit. Das Gedicht bewegt sich über die Erfahrung von Landschaft und Kulturnatur zielstrebig hinaus, arbeitet sich auf Schotter und Gleisen voran, passiert Transportmittel, Maschinenparks, Depots und Halden, durchquert Brachen und steuert durch Kanäle und Schleusen in Richtung eines vorerst imaginär bleibenden Stadtkerns.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.07.2015

Aus einer Mücke einen Engel machen, wie das geht bzw. eben nicht geht, erfährt Burkhard Müller beim Lyriker und Liturgiewissenschaftler Christian Lehnert. Keine Frage für Müller, die geistliche Dichtung hat es schwer. Umso gespannter nimmt er Lehnerts Versuch einer Erneuerung übermächtiger Tradition her und liest. Klingt wie Silesius, wie Barock, stellt er enttäuscht fest, als sollte Gott mittels alter Muster (Reim, Sonnett, Hexameter) wiederbelebt werden. Die kleinen Rauheiten, die Lehnert als Zugeständnis an den Zeitgeist einbaut, überzeugen den Rezensenten aber nicht. Müller erscheint das alles doch zu glatt, Bibelzitate, Naturlyrik und Rilke-Bezüge inklusive. Und wenn der Autor seine Strophen mit drei Pünktchen enden lässt, um das Unsagbare anzudeuten, vernimmt der Rezensent nur Donnergrollen.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 14.03.2015

Dorothea von Törne staunt, wie Christian Lehnert Engel und Zeiterscheinungen profaner Art miteinander ins Gespräch bringt. Für Törne ganz und gar ungewöhnlich in deutscher Gegenwartslyrik. Richtig gut wird der Autor und Theologe Lehnert laut Rezensentin allerdings, wenn er seine Gedanken aus dem Dienst der Verkündigung befreit und suggestiven Sprachbildern und seiner laut Törne bemerkenswerten Musikalität vertraut. Aber auch die Natur als göttliche Schöpfung vom Autor ins lyrische Wort gefasst, betört die Rezensentin und lässt sie dessen Lehrjahre bei Peter Huchel und Bobrowski erkennen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.02.2015

Gern hat Rezensent Harald Hartung Christian Lehnerts nun mehr siebten Gedichtband "Windzüge" gelesen, der ihm einmal mehr beweist, dass der Autor religiöse Gedichte mit ästhetischer Relevanz schreiben kann. Denn Lehnert, Studienleiter an einer evangelischen Akademie, gelingt es nicht nur, Altes, etwa Kirchenchoräle, neu zu beleben, sondern auch den Mehrwert hinter religiösen Motiven aufzudecken, lobt der Kritiker. Insbesondere aber bewundert Hartung die Größe des Autors, den Leser an seinen Zweifeln und an seinem Suchen teilhaben zu lassen, und so kann er diesen schönen und berührenden Band nur nachdrücklich empfehlen.
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