Ingeborg Bachmann, die wohl größte deutschsprachige Dichterin des 20. Jahrhunderts, faszinierte stets auch durch ihre eigenwillige Persönlichkeit und ihr ungebundenes Leben. In ihrem Schreiben setzte sie sich über "Branchenunterschiede" hinweg, neben ihren Romanen und Gedichten stehen Hörspiele und Drehbücher. Sowohl in ihren Beziehungen als auch an ihren Wohnorten suchte Bachmann, die sich schließlich in Rom niederließ, nach Freiheit. In den Gesprächen aus den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren, die in diesem Band versammelt sind, gibt die oft als geheimnisvoll geltende Dichterin tiefe Einblicke in ihr Denken, Schreiben und Leben.
Rezensentin Undine Fuchs wird mit dieser neuen Interview-Sammlung mit der großen Schriftstellerin in ein ebenso großes, literarisches Glück gestürzt. Anregend findet sie Bachmanns Überlegungen zur grundsätzlichen, stets männlich konnotierten Gewaltsamkeit zwischenmenschlicher Liebesbeziehungen, die Bachmann besonders in "Malina", dem ersten Teil einer unvollendeten Romanreihe, ergründete. Demnach könne der Ursprung des Faschismus bereits im Privaten angesiedelt werden, was Bachmann mit ihrer tiefen Sprachsensibilität, wovon auch diese Interviews zeugen, beleuchte. Die Kritikerin findet in diesen Gesprächen eine Autorin, der es um das "Zerschreiben des vorgefundenen Sprachmaterials" ging, um die Auflösung leerer Phrasen zwecks einer vollends ehrlichen Sprache. Schade nur, dass diese Zusammenstellung keinem übergeordneten Prinzip folgt und mit keiner editorischen Erklärung versehen ist, bemängelt Fuchs und denkt dabei an den gleichnamigen, weitaus umfangreicheren, aber inzwischen vergriffenen Gesprächsband aus dem Jahre 1983. Hier wäre laut ihr wenigstens eine erläuternde Notiz angemessen gewesen, was jedoch dem eigentlichen Inhalt keinen Abbruch tut.
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