Herausgegeben mit Einleitung und Erläuterungen von Lothar Kreimendahl und Michael Oberhausen. Die 1766 erschienenen "Träume eines Geistersehers" nehmen eine Schlüsselstellung in Kants Werk ein. Anlässlich der Auseinandersetzung mit der Geisterseherei Emmanuel Swedenborgs prüft Kant die Erkenntnisansprüche der rationalen Psychologie und weist sie als haltlos zurück. Diese Kritik weitet sich zu einer Ablehnung der gesamten herkömmlichen Metaphysik aus, deren Scheitern Kant zum Anlass nimmt, nach der angemessenen Methode in der Philosophie zu fragen. Als solche empfiehlt er die Hinwendung zu erfahrungswissenschaftlichen Verfahren. Damit hat Kant bereits wesentliche Momente seiner späteren Vernunftkritik erarbeitet. Aber auch die praktische Philosophie profitiert von der im Geist des Skeptizismus und im Tonfall ironischsarkastischer Redeweise durchgeführten Untersuchung. Es zeigt sich, dass die Grundzüge von Kants Moralphilosophie bereits 1766 gefunden sind. Kants Abhandlung bedeutet somit in mehrfacher Hinsicht das Ende seiner vorkritischen Phase und markiert die eigentliche Geburtsstunde des Kritizismus. Die Ausgabe präsentiert Kants Text erstmals in historischkritischer Gestalt und mit deutschen Übersetzungen der Stellen aus den "Arcana Coelestia" Swedenborgs, auf die sich Kant bezieht. Die umfänglichen Erläuterungen decken die Anknüpfungen an die zeitgenössische Philosophie auf und stellen die Verbindung der Abhandlung mit Kants vorkritischen wie kritischen Werken her.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.09.2022
Rezensent Helmut Mayer berichtet über die immer noch strittige Haltung der Forschung zu Immanuel Kants Text über Swedenborg von 1765. Dokumentiert findet er in diesem Band sowohl Kants Schrift, und zwar mit historisch-kritischem Anspruch, wie Mayer anmerkt, als auch die Auseinandersetzungen der Forschung darüber. Dass immer noch "nicht so klar" ist, was Kant mit dem Text eigentlich bezweckte, reinen Spott oder doch die Beschäftigung mit Motiven der kritischen Philosophie, erfährt er hier ebenso wie er die Textstellen kennenlernt, auf die der Königsberger Bezug nimmt. Der umfangreiche Anhang liefert weitere Quellentexte wie Briefe Kants, erklärt Mayer.
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