Ilko-Sascha Kowalczuk, Arno Polzin

Fasse Dich kurz!

Der grenzüberschreitende Telefonverkehr der Opposition in den 1980er Jahren und das Ministerium für Staatssicherheit
Cover: Fasse Dich kurz!
Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 2014
ISBN 9783525351154
Gebunden, 1059 Seiten, 69,99 EUR

Klappentext

Das Abhören von Telefongesprächen gehört zur Geschichte der Telefonkommunikation. Auch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) hat trotz eines unterentwickelten Telefonnetzes in der DDR eifrig Telefonate abgehört, mitgeschnitten und die daraus gewonnenen Informationen für die geheimpolizeiliche und geheimdienstliche Tätigkeit verwendet. Dafür unterhielt die Staatssicherheit eigene Abteilungen, die im Auftrag anderer MfS-Diensteinheiten gezielt Telefongespräche in der DDR, in der Bundesrepublik und auch im grenzüberschreitenden Telefonverkehr überwachten.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.01.2015

Der von Ilko-Sascha Kowalczuk und Arno Polzin herausgegebene Band erinnert Isabel Fannrich-Lautenschläger daran, dass der 9. November nicht von allen Oppositionellen gewollt wurde und dass er das Ergebnis vieler Jahre war. Die Dokumentation des grenzüberschreitenden Telefonverkehrs der Opposition in den 1980er Jahren und seine Überwachung durch das MfS mit ihren 150 abgelauschten Gesprächen als O-Ton oder Stasi-Text beamt die Rezensentin ins oppositionelle Ost-Milieu anno 1980. Den Hintergrund dazu liefern ihr die Herausgebertexte sowie eine informative "Verlinkung" zwischen Abhör-Protokoll und Fußnote.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.01.2015

Josef Foschepoth hat einiges auszusetzen an dem von Ilko-Sascha Kowalczuk und Arno Polzin herausgegebene Buch über die Überwachungsaktivitäten in der DDR. Historisch-wissenschaftliche Standards scheinen die Herausgeber bei ihrer Zusammenstellung und begrifflichen Erfassung der Telefonüberwachung durch das MfS kaum zu kennen, glaubt Foschepoth. Anderenfalls, meint er, wäre der Band nicht nur weniger opulent ausgefallen, der Leser wäre auch mit systematischer Darstellung beschenkt worden, mit präziser Begrifflichkeit und historisch-kritischer Analyse. So aber fehlt dem Ganzen eine klare Fragestellung, meint der Rezensent, auch im Quellenteil, wo er eine systematische Gliederung der Dokumente bitter vermisst. Den eigentlich "bemerkenswerten Schluss" der Herausgeber, eine dauerhafte Telefonüberwachung sei in den 80er Jahren eher die Ausnahme in der Arbeit des MfS gewesen, vermag der Rezensent also gar nicht ungetrübt zu würdigen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.2014

Günter Buchstab dankt den Herausgebern des Bandes Ilko Kowalczuk und Arno Polzin für ihre hervorragende Arbeit. Das voluminöseBuch legt er allen ans Herz, die das wahre Gesicht der DDR kennenlernen wollen, wie Buchstab schreibt. Was diese laut Rezensent erste Analyse der Telefon- und Wohnungsüberwachung von DDR-Oppositionellen in den 80er Jahren in Ost-Berlin, namentlich der Abhörprotokolle, zutage fördert, gibt Buchstab Einblick in das politische Denken und Handeln von Regimegegnern wie Bärbel Bohley, Rainer Eppelmann, Werner Fischer, Jürgen Fuchs und anderen sowie in das Reagieren der SED und der Stasi. Die einzelnen Autoren-Beiträge, so von Wolfgang Templin oder Arno Polzin und Andreas Schmidt, befassen sich laut Buchstab mit der Rolle von Friedens- und Menschrechtsinitiativen beziehungsweise mit der grenzüberschreitenden Telefonüberwachung. Besonders aufschlussreich und mitunter voller Komik sind für den Rezensenten allerdings die im Band dokumentierten Tonbandmitschnitte selbst. Erschlossen werden sie im Band laut Buchstab durch ein umfassendes Glossar, Personenregister und Kurzbiografien.