Huschang Golschiri

Prinz Ehtedschab

Roman
Cover: Prinz Ehtedschab
C. H. Beck Verlag, München 2001
ISBN 9783406471285
Gebunden, 140 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Persischen von Anneliese Ghahraman-Beck. Mit einer Nachbemerkung von Navid Kermani. In einem verfallenden, einst prunkvollen Palast, in einem dunklen, modrigen Zimmer sitzt der von Fieber geschüttelte, tuberkulosekranke Prinz Ehtedschab auf einer Ecke des großen Throns und lässt seine Ahnenreihe defilieren, um die Größe der Qadjarendynastie noch einmal heraufzubeschwören, bevor sie mit ihm endgültig im Vergessen versinkt. Doch hinter der glänzenden Fassade, hinter sagenhaftem Reichtum und Ruhm findet sich nur Gewalt und Grausamkeit - darauf allein basierte die Macht. So sehr den Prinzen dieses Vermächtnis der Tyrannei abstößt - er kann sich ihm ebensowenig entziehen, wie er seinem Tod durch die ererbte Krankheit entgehen kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.01.2002

Zwar ist Rezensent Heinz Ludwig Arnold begeistert von dem iranischen Autor Huschang Golschiri, insbesondere auch von der "erzählerischen Modernität", den schnellen Perspektivwechseln des kurzen Romans. Er assoziiert Samuel Beckett zu dieser "Parabel von der Fragwürdigkeit und vom Verfall der Macht", die unter dem Schah-Regime entstanden ist. Aber die Erzählung über den kranken Prinzen Ehteschab, dessen Vergangenheit sich in seiner Rückschau gänzlich entglorifiziert, ist laut Arnold auf Grund ihrer zahlreichen Anspielungen und Metaphern für "westliche Leser nur schwer nachvollziehbar". Da helfen auch die wenigen erläuternden Anmerkungen oder das Nachwort des Islamwissenschaftlers Navid Kermani nicht. Die implizite grundlegende Kritik am dynastischen Gesellschaftssystem sei aber dennoch verständlich, meint Arnold, der rät, bei der Lektüre Golschiris mit den Erzählungen aus "Der Mann mit der roten Krawatte" zu beginnen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.12.2001

Der Kurzroman "Prinz Ehtedschab" habe seinen Autor bereits 1969 international berühmt gemacht und gleichzeitig das Problem der Lesbarkeit außerhalb des persischen Sprach-und Kulturkreises aufgeworfen. Tomas Fitzel gibt zu bedenken, dass schon allein "die Musikalität des Farsi" schwerlich ins Deutsche zu übertragen sei. Auch auf die Problematik der politischen Komponente des Buches, einer Kritik am damals regierenden Schah Resa Pahlawi, die der Autor durch den scheinbaren historischen Rückgriff wohl intendiert habe, weist der Rezensent hin. Er empfiehlt, von einer Lektüre "auf einen versteckten Sinn zwischen den Zeilen" abzusehen, denn alle Autoren, die unter den Bedingungen von Zensur und Diktatur schreiben müssten, seien in Gefahr, warnt er. Man solle die Bücher vielmehr als das lesen, was sie sind, schlägt er vor, und im Falle von "Prinz Ehtedschad" bedeute dies "als ein Meisterwerk der literarischen Moderne vom Range eines Gombrowicz, Borges, Landolfi oder Nabokov". Vor diesem gedanklichen Hintergrund findet Fitzel die Entscheidung des Beck-Verlags richtig, den Roman anlässlich des Todes des Autors als Einzelausgabe, ergänzt durch eine persönliche Erinnerung von Navid Kermani an die Bestattung Golschiris, neu herauszugeben.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.06.2001

Ludwig Ammann ist geradezu überwältigt von diesem Kurzroman, der 1969 als Debüt des iranischen Autors erschien und ihn unmittelbar berühmt machte. Der Rezensent kommt aus dem Schwärmen über das Buch nicht heraus, das die Erinnerungen des Prinzen Ehtedschab, der nach Verlust seiner Macht an Tuberkulose stirbt, erzählt. Er preist den vor einem Jahr verstorbenen Autor als "brillanten Stilisten" und lobt den Roman für seine "unerhörte erzähltechnische Finesse". Ammann bemerkt anerkennend, dass Golschiri in der Darstellung der "Grausamkeiten der Despotie", die in dem Roman viel Raum einnimmt, "jede explizite Empörung" umgeht, was seinen Grund in der strengen Zensur im Iran gehabt haben wird. Dabei sei das Werk derart subtil und rätselhaft, dass die Zensur "nicht aus noch ein gewusst haben" dürfte, vermutet der begeisterte Rezensent.
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