Keine andere Wahl wird weltweit von so großer Anteilnahme begleitet wie die Wahl des Papstes. Doch die Zuschauer sehen immer nur die Außenseite: den Einzug der Kardinäle ins Konklave, den Schornstein der Sixtinischen Kapelle, aus dem schwarzer oder endlich weißer Rauch aufsteigt, die Präsentation des Gewählten mit den Worten "Habemus papam". Dieses Buch erklärt, was wirklich passiert: wie die Wahl im Detail abläuft, von welchem Moment an der Gewählte Papst ist, warum das Konklave erfunden wurde und wie die Kardinäle zu den einzigen Wählern und schließlich auch zu den einzig Wählbaren wurden. Zur Sprache kommt auch der Papstrücktritt, der zur Regel werden und die Aura des Amtes beschädigen könnte. Besonderes Augenmerk gilt den Neuregelungen Johannes Pauls II., durch die die Wahl noch sakraler, noch weniger weltlich und noch geheimer geworden ist. Am Ende seines Buches zeigt Hubert Wolf, wie eine zeitgemäße Wahl ablaufen könnte, die zugleich den Ursprüngen des 2000 Jahre alten Amtes gerecht wird.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.01.2017
Ungeachtet der Zeit, die bis zum nächsten Konklave vergehen mag, ist das Buch des Priesters und Kirchenhistorikers Hubert Wolf für Rudolf Neumaier ein lesenswertes Ereignis. Keiner beschreibt die Geschichte der Papstwahl so eloquent und quellensatt wie Wolf, versichert Neumaier. Wolfs von seinem angelsächsischen, pointierten Stil geprägtes Wühlen im Material der Historie leistet beides, meint er: Aufklärung und Erbauung. Dass der Autor für seine Kirche unbequem ist und dennoch nicht mit Vorwürfen um sich wirft, sondern die oft hanebüchenen Fakten sprechen lässt, gefällt dem Rezensenten. Die Absurditäten der Papstwahl im Mittelalter oder die Intrigen der Neuzeit vermittelt ihm Wolf durchaus auch auf witzige Art und sogar als Prophet, indem er aus dem Jahr 2059 als Papst Hadrian VII. auf die Kirchengeschichte zurückblickt.
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