Herman Melville

Herman Melville: Die Reisetagebücher

Cover: Herman Melville: Die Reisetagebücher
Achilla Presse, Hamburg 2001
ISBN 9783928398732
Gebunden, 380 Seiten, 24,54 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen übertragen und kommentiert von Alexander Pechmann. Herman Melvilles Reiseaufzeichnungen aus den Jahren 1849 bis 1860 führen den Leser von New York nach London, durch Deutschland und Frankreich, nach Paris und Rom, zu den Häfen der Levante und in die labyrinthischen Gassen Konstantinopels, zu den ägyptischen Pyramiden, nach Jerusalem und zum Toten Meer, schließlich mitten hinein in einen Sturm vor Kap Hoorn. Anhand der Schilderungen wird deutlich, wie viel an persönlichen Beobachtungen und Erfahrungen in sein literarisches Werk eingeflossen sind. Ebenso zeigt sich die enge Verbindung der philosophischen und existenziellen Fragen in Romanen wie Moby-Dick und Mardi mit den Obsessionen des Autors. Dies ist die erste vollständige deutschsprachige Ausgabe der Reisetagebücher.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2001

Martin Mosebach, der sich in seiner eingehenden Rezension der Reisetagebücher als ausgesprochener Melville-Kenner zeigt, ist sichtlich erfreut über ihre erstmalige Veröffentlichung. Obwohl er von den Beschreibungen der beiden Reisen ins Heilige Land und von New York nach London als Einstiegslektüre abrät, preist er sie doch als Werke von "höchstem Interesse". Er freut sich über die wie "Goldkörner" in dem Buch versteckten Motive aus Melvilles Prosatexten und beschreibt den Genuss bei der Lektüre deshalb vornehmlich als "Wiedersehensfreude". Dabei seien die Beschreibungen seiner Eindrücke von Judäa und Jerusalem die eigentlichen "Perlen" des Bandes, so der Rezensent begeistert. Besonders fasziniert ist Mosebach von jenen Elementen der Reisetagebücher, die klingen wie aus einem der Romane Melvilles. Sie gelten ihm als Beweis, dass dem amerikanischen Autor verstärkt die "Bilder begegnen, die in seiner Vorstellung angelegt" waren.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.08.2001

Uwe Pralle begibt sich mit den erstmals in deutscher Übersetzung erschienen Reisetagebüchern Melvilles auf Entdeckungsreise in die "Alte Welt" und lobt die "kenntnisreich kommentierte Übersetzung" Alexander Pechmanns. Melville machte zwei Reisen von New York nach England, die erste 1849und die zweite 1856. Sie hätten unterschiedlicher nicht sein können, scheint es. Pralle beschreibt die Umbrüche im Leben und literarischen Schaffen Melvilles zwischen den Reisen und die Änderung des Reisens selbst. Melville zeige sich als ein "Mann der Segelära", an ein langsames, unberechenbares Reisen und den damit verbundenen Zeitvertreib durch "intellektuelle Gespräche" und Lektüren gewöhnt. Vom "Wahrnehmungshunger nach der Kultur und Historie der Alten Welt" getrieben, forschte Melville nicht nur nach den Blüten der Hochkultur, sondern auch nach den "Vorstellungen von Lebensart", so der Rezensent. Die Tagebüchern "funkeln vom Überfluss an Schätzen der klassischen Kulturen" schreibt Pralle mit einem Zitat Melvilles, sie werfen "scharfe Lichtkegel" auf politische und wirtschaftliche Verhältnisse der besuchten Regionen und vieles vom Erlebten fließt später in seine Dichtung ein. Sie zeigten jedoch auch die Spuren von Enttäuschung, Desillusion und Entzauberung. Der Rezensent entdeckt einen "ungeheuer wissbegierigen" Melville, der "voller großer Erwartungen" ist und vermutet, Melville hätte, "angekommen am Ende seiner Wege in den Phantasiereichen der großen Romane", Gefühle von Enttäuschung an jedem Ort der Welt verspürt.
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