Aus dem Französischen von Nicola Denis. Ursule Mirouët wächst nach dem Tod der Eltern bei ihrem Vormund Denis Minoret, einem greisen begüterten Arzt auf, unter dessen liebevoller Aufsicht sie eine behütete Kindheit in der Provinzstadt Nemour verbringt. Der Voltairianer Minoret pflegt einen entschiedenen Atheismus, bis er sich durch eine eindrucksvolle magnetische Sitzung in Paris von der Realität einer geistigen Welt überzeugen lässt. Bei seinem Tod entbrennt ein heftiger Streit um sein Testament, das eine Schar raffgieriger Erben der tugendhaften Ursule streitig zu machen versucht. 1841 verfasst und Balzac zufolge das "schönste Werk" dieses fruchtbaren Schaffensjahres, wurde Ursule Mirouët im folgenden Jahr in die Comédie humaine aufgenommen. Diese Neuübersetzung des u.a. von Walter Benjamin übertragenen Textes ermöglicht einen neuen Blick auf den philosophisch-fantastischen Balzac.
Rezensent Tilman Krause singt eine Hymne auf Honore de Balzac, den er Proust in jedem Falle vorzieht. Schon, weil Balzac nichts Menschliches fremd sei, auch nicht das Übermenschliche, wie der Kritiker erklärt. Entsprechend begeistert stürzt sich Krause auf Nicola Denis' Neuübersetzung von Balzacs Roman "Ursule Mirouet", der ihm in einer Mischung aus "Provinzposse", Liebes- und Familienroman mit deftigem Sarkasmus von Geldgier, Erbschaften und Betrug erzählt. Abgesehen von einigen Exkursen über französisches Erbrecht folgt der Kritiker hier gebannt jener Ursule Mirouet, die einige Prüfungen bestehen und um ihr Erbe kämpfen muss, bis sie schließlich mit dem adligen Nachbarsjungen glücklich nach Paris zieht. Wenn Balzac in seinem Roman um die ebenso fromme wie selbstlose Heldin von "Transzendenz" und der "Überwindung der materiellen Welt" erzählt, weiß der Kritiker einmal mehr: Der Autor hat das "größte literarische Paralleluniversum aller Zeiten" geschaffen.
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