Laszlo Földenyi

Starke Augenblicke

Physiognomie der Mystik
Cover: Starke Augenblicke
Matthes und Seitz, Berlin 2013
ISBN 9783882215625
Gebunden, 212 Seiten, 26,90 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Akos Doma. László F. Földényi untersucht in diesem klassischen Essay jene Augenblicke, die in der abendländischen Tradition als mystisch, kathartisch, erschütternd oder ekstatisch beschrieben werden. Die kulturgeschichtliche, religiöse und mythische Tradition dieser Erlebnisse im Blick, versucht er ihre Rolle von der Antike bis in unsere Zeit zu beschreiben. Földényi deckt auf, dass gerade diese scheinbaren zeit- und raumlosen Augenblicke den wahren Charakter des immer zeit- und raumgebundenen Lebens erleuchten. Dabei versucht er jenen Augenblick, von dem auch sein eigenes Schreiben durchdrungen ist, lebhaft zu machen und nicht als neutralen Gegenstand zu behandeln.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.02.2014

Das geht ja auch gar nicht, meint Christoph David Piorkowski. Die Ekstase, das mystische Erlebnis, findet er, lässt sich einfach nicht in Worte fassen. Wenn László F. Földényi es dennoch versucht, als theologischer Atheist zumal, essayistisch, unter Aufgebot von Plotin und Bataille, Apoll und der gnostischen Schlange, rümpft der Rezensent die Nase, lässt sich aber erst einmal auf das Experiment ein. Und siehe da: die laut Piorkowski beinahe physische Belastung wird merkwürdig schön und um ein Haar erhellend. Ist er der Ekstase nun nah? Nicht ganz. Denn leider zieht ihn der Autor sogleich in dunkle Passagen, kontextferne Fragmente und allerhand Kryptisches. Es geht eben doch nicht.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.01.2014

Rezensent Uwe Justus Wenzel hat Laszlo F. Földenyis Buch "Starke Augenblicke" offenbar mit Interesse gelesen. Zumindest lernt er in dieser "Physiognomie der Mystik", dass zwischen ekstatischen beziehungsweise mystischen Erlebnissen und Religion unterschieden werden muss. Denn während mystische Erlebnisse aus Verlusten entstünden und diese in Gewinne umwandelten, würden Religionen den Menschen davor bewahren wollen sich zu verlieren, weiß der Kritiker nach der Lektüre. In dem Buch des ungarischen Essayisten, der an der Budapester Akademie für Theater und Film Kunsttheorie lehrt, erlebt Wenzel darüber hinaus Momente der Verzückung oder der Wollust, der Furcht, der Freude oder der Begierde, des Schmerzes oder der Liebe. Nicht zuletzt findet er in diesem gelehrten Werk zahlreiche Zitate - von Heraklit bis Heidegger oder von Basilides bis Bataille.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.03.2013

In den Schriften des Literaturwissenschaftlers und Kunsttheoretikers Laszlo F. Földenyi bewundert Adam Soboczynski eher Primär- als Sekundärwerke. Und so sind auch in diesem Band zu mystischen Augenblicken viel mehr "literarische Essays" als Analysen enthalten, erklärt der Rezensent, was in seinen Augen auch den großen Reiz dieses Buches ausmacht. Was sich schon in Földenyis Werk über Kleist als Grundgedanke abzeichnete, dass der mystische Moment nämlich ein paradoxes Erlebnis von ganz bei sich und zugleich außer sich sein darstellt, verfolgt der ungarische Autor durch Kunst, Religion und nicht zuletzt das Erlebnis des Augenblicks des Verliebens, so Soboczinski, der insbesondere einen Exkurs zum menschlichen Gesicht brillant findet. Indem der Autor seinen Gegenstand zugleich durch die Geschichte hindurch verfolgt und in immer neuen Anläufen sowohl beschreibt als auch "beschwört", bildet er mit seinem Buch selbst den Widerspruch ab, den der mystische Augenblick darstellt, so der Rezensent begeistert.